Meinung : Cottbus: Unsere kleine DDR

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Vor knapp elf Jahren endete die Existenz der DDR. Oder nicht? Was sich zurzeit in Cottbus abspielt, erweckt den Eindruck, das SED-Regime sei noch lebendig. Da wird die Journalistin Simone Wendler, die den Machenschaften ehemaliger Stasi-Leute nachspürt, mit klassischen Methoden bedrängt. Unbekannte spielen am Telefon Morddrohungen ab, Dunkelmänner observieren, fotografieren und belästigen Wendler bis in die Intimsphäre hinein. Dann kommt auch noch die Bestätigung aus dem Rathaus: Das (Polit?-)Büro des Cottbuser Oberbürgermeisters "kritisiert" Wendler wie einst eine SED-Kreisleitung den unbotmäßigen Genossen. Prompt steigt der lokale Fernsehsender "Lausitz TV" ein und agitiert in seinen "Nachrichten", pseudoseriös nach Art der "Aktuellen Kamera". Dass ein früherer Stasi-Offizier über eine Firma aus seinem Dunstkreis Anteile an dem Sender hält, verwundert da kaum noch. Wie die Mitarbeiter eines CDU-Oberbürgermeisters agieren, schon eher. Bei seiner Rückkehr aus dem Urlaub wird Waldemar Kleinschmidt zu erklären haben, warum sein Büro an einer Rufmord-Kampagne gegen die Journalistin mitstrickt. Der Oberbürgermeister muss sich außerdem fragen lassen, in welchem Maße er dafür verantwortlich ist, dass in seiner Stadt nicht nur der Filz wuchert, sondern auch alte DDR-Strukturen heute noch wirksam sind. Vielleicht beruft sich der CDU-Politiker auf Brandenburgs SPD-Ministerpräsidenten Manfred Stolpe? Er bezeichnet sein Land als "kleine DDR". Was scherzhaft klingt, ist in Cottbus üble Realität.

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