CSU : Ohne Maß

Ein Prosit der Ungemütlichkeit: Seehofers Derbheiten gegen Merkel und die FDP. Kaum zu fassen, wie er sich einlässt.

Stephan-Andreas Casdorff

Der Bayer Horst Seehofer lässt’s krachen, kurz vor der Wahl im Bund. Kaum zu fassen, wie er sich einlässt. Der CSU-Chef verspricht, ja, gibt kraftvoll „eine Garantie“, dass es im Falle einer schwarz-gelben Koalition Steuersenkungen geben werde. Donnerwetter.

Zu Franz Josef Strauß’ Zeiten hätte der gesagt: Da wedelt der Schwanz mit dem Hund. Was in diesem Fall so viel heißen würde wie, dass die CSU sich übernimmt. Denn gesetzt den Fall, es gibt diese Koalition – die FDP wird, auf den Bund geschaut, ganz sicher stärker abschneiden als die CSU, bei den Stimmen und Mandaten.

Den Stolz des kriegerischen Bergvolks am Fuße der Alpen in allen Ehren, die CSU repräsentiert es wider die eigene Selbsteinschätzung doch nicht ganz, sie hat das schöne Bayern nicht allein erfunden. Jetzt muss sie sich, das sei am Rande in Erinnerung gerufen, die Regentschaft sogar noch teilen mit der FDP. Was sie bisher noch nicht so richtig einsehen mag und zu mancher Seltsamkeit auf Seiten der CSU führt.

Psychologisch ist es vielleicht so zu erklären: Weil die FDP die CSU im Land daran hindert, einfach weiterzumachen wie bisher, denkt sich die CSU, sie könnte dasselbe auf Bundesebene machen. Eine Übersprunghandlung, gewissermaßen. Seehofer zuvörderst findet nicht das richtige Maß. Er übertreibt’s. Die FDP in Bayern spielt jedenfalls nicht wie die CSU im Bund beides, Regierungspartei und Opposition in einem. Das bekäme ihr nicht, und der CSU wird ein solches Verhalten auch nicht bekommen.

Rebell aus dem Herrgottswinkel, so erscheint Seehofer in Berlin auch manchem CDU-Granden. Des Nachts, möchte man hinzufügen, als Gottseibeiuns. Auf seine Weise, eine unberechenbare. So kann er den von ihm erwünschten Wahlausgang gefährden.

Was soll nur schon der geneigte Wähler denken, wenn er hört, wie Seehofer für die CSU der Kanzlerin und CDU-Chefin Komplimente macht und ihr zugleich inhaltlich an den Karren fährt? Oder wenn er die FDP beleidigt, die aber andererseits doch von ihm ständig dazu aufgefordert worden ist, sich unzweideutig zur Option mit der Union zu bekennen? Und wenn Seehofer damit Sympathisanten vertreiben könnte, wie sieht es dann erst mit den vielen Unentschlossenen aus, dazu den Verunsicherten?

„Mein Wort gilt.“ Sagt Seehofer zu den Steuererleichterungen. Er weitet sein Wahlversprechen aus. Merkel sagt etwas anderes. Ein Widerspruch, auf höchster Ebene. Wo soll das hinführen? Respice finem, bedenke das Ende, sagt der Lateiner. Strauß selig, auf den sich Seehofer gerne beruft, hat das früher auch ab und an gesagt. Das dicke Ende kann noch kommen. Schwarz-Gelb verliert in Umfragen, langsam. Wenn Seehofer so weitermacht, dann schneller. Drei Tage noch.

Nota bene: Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat gerade ein Arzttermin an gemeinsamer CSU-Kraftmeierei gehindert … – Kraft ohne Weisheit stürzt durch die eigene Wucht. Weiß der Lateiner.

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