Meinung : Da helfen keine Pillen

„Fanatismus mit Globuli“ vom 3. Juni

Vorsicht, Herr Schümann: Der „katholkranke“ Dr. Gero Winkelmann hat mit seiner Aussage: „Kondome bieten keinerlei Schutz vor Aids“ nicht nur saudummes Zeug geschwätzt. 80 Prozent der Gymnasiasten wissen zum Beispiel nicht sicher, was man beachten muss und wann Kondome unsicher sind. Von Real- und Hauptschülern ganz zu schweigen!

Dr. Christoph Hilsberg, Jugendarzt,

Berlin-Lichterfelde

Darf ich die Versuche Helmut Schümanns, humorvoll zu sein auf Kosten der katholischen Kirche, faktuell korrigieren? Sein Artikel ist gar nicht komisch, nur ein uninformiertes, geradezu ignorante Beispiel billigen Kirchenbashings.

Punkt 1: Aids und Kondome. Man kann zwei renommierte Wissenschaftler zitieren: „Viele wären überrascht zu erfahren, dass Kondome im Kampf gegen Aids nicht das gebracht haben, was versprochen wurde. Kondome habe Priorität als Intervention. Aber im Allgemeinen zeigen sie eine ziemlich magere Bilanz gegen Aids und andere geschlechtlich übertragene Infektionen.

Der Rückgang in der Aids-Statistik ist vielmehr den Veränderungen der sexuellen Gewohnheiten zuschreibbar, besonders der Treue, oder was die Öffentlichkeit im Gesundheitswesen ,partner reduction‘ nennt (Matthew Hanley, Amerikanischer Experte für Gesundheitswesen)“.

Auch Dr. Edward Green, Berater von Präsident Obama und Direktor des Aids-Prevention Project an der Harvard University, unterstützt diese Beweislage.

Punkt 2: Religionslehrer David Berger. Wenn ein Lehrer gegen die Lehre der katholischen Kirche unterrichtet, und das ständig, hat er sich selber vom „Klub“ ausgeschlossen. Deswegen seine Entlassung.

Wenn seine Homosexualität der bloße Grund der Entlassung wäre, was Herr Schümann behauptet, dann müssten viele andere Lehrer auch im Jobcenter stehen.

Abigail Prohaska,

Berlin-Charlottenburg

Gewiss, Kolumnen sind zum Spotten da. Viele Kolumnen im Tagesspiegel lese ich mit großem Vergnügen. Was in der Tagesspiegel-Ausgabe vom Freitag, den 3. Juni 2011, über die Katholiken geschrieben stand, finde ich allerdings unerträglich. Ich bin Katholikin, und ich kann Ihnen versichern, es gibt sichere Anzeichen dafür, dass ich nicht doof bin. Überdies nehme ich keine Globuli ein und habe so meine Probleme mit Herrn Meisner und anderen Herren der Amtskirche.

Und ob Sie es glauben oder nicht: Ich kenne sogar noch andere Katholiken, denen es so ergeht, die gebildet, zu eigenständigem Denken und Handeln in der Lage sind. Und obwohl sie sogar mit Schwulen sprechen, sind sie – wie ich – sogar nicht einmal exkommuniziert worden.

Wenn Sie noch keine Gelegenheit hatten, Vertreter dieser seltenen Spezies kennenzulernen, bin ich gern dazu bereit, entsprechende Kontakte herzustellen.

Vielleicht machen Sie einmal den Versuch, ersetzen „katholisch“ durch „türkisch“, „schwul“ oder „jüdisch“ in Ihrem Artikel und stellen sich die öffentliche Reaktion auf Ihren Artikel vor.

Unsere Verfassung jedenfalls sieht das Grundrecht auf Glaubensfreiheit vor. Niemand darf einen anderen wegen seines Glaubens herabsetzen oder beleidigen.

Und, das mag Sie durchaus überraschen, dieses Recht gilt selbst für Katholiken!

Dr. Ulrike Thoms,

Berlin-Reinickendorf

Ist die Verächtlichmachung der Lebenseinstellung, des Glaubens, der tiefsten Überzeugungen von weit mehr als 24 Millionen Deutschen Mitbürgern eigentlich auf Basis unseres Grundgesetzes zulässig? Und darf man heutzutage wirklich jede Frage stellen?

Jürgen Miersch, Teltow

Wer waren die „geistigen Väter“ des Vereinten Europas? Daran erinnert uns der Zagreber Erzbischof Kardinal Josip Bozanic beim beim Papstbesuch Benedikt XVI. in Kroatien: „Am Anfang der Europäischen Union standen Menschen, Politiker, die gleichzeitig selbst Christen, Katholiken waren, so dass die Europäische Gemeinschaft, die Verbindung der europäischen Völker und Staaten, etwas tief Christliches ist.“ Ich bin dankbar, ein Katholik zu sein. Und ich bin stolz, ein Katholik zu sein.

Waldemar Weniger,

Berlin-Charlottenburg

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