Meinung : Da war doch was

Heute ist Muttertag – fast ein Nachruf

Stephan-Andreas Casdorff

An meine Mutter

So gern hätt ich ein schönes Lied gemacht

von deiner Liebe, deiner treuen Weise;

die Gabe, die für andre immer wacht,

hätt ich so gern geweckt zu deinem Preise.

(Annette von Droste-Hülshoff)

…weshalb wir auch versucht haben, eine der Mütter zu gewinnen, darüber zu schreiben, wie es heute so ist, Berufswunsch und Kinderwunsch und Haushalt und individuelles Privatleben zusammenzubringen. Ja, das Individuelle gibt es nämlich auch, aber, seien wir ehrlich: Schon bei der Geburt eines Kindes wird der Mutter gerne was geschenkt – etwas fürs Kind.

Fangen wir an mit der Blumenhändlerin. Einmal im Jahr tauchen sie auf, die Männer, und wollen wissen, was Frau sich denn so wünscht. Was ihr gefallen könnte. Individuell ist das ja verschieden, aber ist es nicht so, dass das Opulente alle überzeugt? Männer, das können einem die Blumenverkäuferinnen sagen, wollen große Sträuße, bunt, auffällig. Duftende Wiedergutmachung, sozusagen. Während im Rest des Jahres die Frauen sich ihre Blumen selber kaufen. Keine Gebinde. Nicht dieses Durcheinander der Formen. Die Klarheit schreibt schon das Portemonnaie vor. Und woher wir das wissen? Weil die Blumenhändlerin auch eine Frau ist. Die zu den 1,2 Millionen Frauen zählt, die am Wochenende arbeiten, obwohl sie Kinder und ein Zuhause und einen Mann haben.

Und wer jetzt noch nachfragt, wie Frau sich dabei fühlt, bekommt genau die Antwort, die das Müttergenesungswerk auch gibt: dass die Mütter sich oft gesellschaftlich isoliert fühlen. Sie empfinden ihre Arbeit – rund um die Uhr und rund um die Familie – zu wenig geschätzt. Deshalb, sagt Geschäftsführerin Anne Schilling, sinkt die Zahl der Geburten. Was sie uns sagen will? Geschenke fürs Neugeborene sind erst recht keine Verlockung, wenn vorher die Ansprüche nicht anerkannt werden. Als da wären: Arbeitszeiten, die sich mit dem Kind vertragen, eine Kinderbetreuung, die ein schlechtes Gewissen verhindert.

Andererseits wird gerade so oft wie nie in den letzten Jahren über das Schöne an der Mutterschaft geredet. Sarah Connor, Veronica Ferres, Heidi Klum, Verona Feldbusch als Wortführerinnen der Babybegeisterten? Tatsache ist: 80 bis 90 Prozent der jungen Leute wollen Kinder – aber Deutschland gehört zu den kinderärmsten Gesellschaften der Welt.

Das ist auch eine Folge der Globalisierung. Frauen müssen so viel arbeiten, um konkurrenzfähig zu bleiben, dass sie erst ab Mitte 30 überlegen, ob sie sich ihren Kinderwunsch auch erfüllen sollen, ja können. Der Aufschub geht oft in ungewollte Kinderlosigkeit über. Und die meisten Männer sind immer noch auf ihren Job fixiert. Beruf und Familie werden fast immer für die Mütter zur Doppelbelastung, erklärt der Leiter des Bamberger Staatsinstituts für Familienforschung.

Leben ist eine Wissenschaft für sich. Zusammenleben auch. Mütter verdienen endlich Anerkennung. Was wohl die Blumenhändlerin von ihrem Mann geschenkt bekommt?

So nimm die einfach schlichte Gabe hin,

von einfach ungeschmücktem Wort

getragen,

und meine ganze Seele nimm darin:

Wo man am meisten fühlt,

weiß man nicht viel zu sagen.

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