Meinung : Dabei sein war nicht alles

Von Hans Monath

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Murat Kurnaz hat am Mittwoch einen ersten Sieg errungen. Seit Jahren ärgert der Anwalt des in Bremen aufgewachsenen Türken die alte und die neue Bundesregierung mit dem Vorwurf, seinen Mandanten im Stich gelassen zu haben, nachdem dieser von Pakistan nach Afghanistan verschleppt und dann fünf Jahre lang im US-Lager Guantanamo misshandelt worden sei. Nun steht fest: Zumindest einer der Vorwürfe stimmt, die der Mann mit dem Rauschebart und den wilden Locken erhebt: Ein oder mehrere Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) haben Kurnaz im US-Gefangenenlager Kandahar erkannt.

Nebenbei kommt ans Licht: Die deutschen Soldaten haben das Lager zeitweise mitbewacht, in dem Terrorverdächtige offenbar mit folterähnlichen Methoden gequält wurden. Das Gefängnis war Teil jenes amerikanischen Umgangs mit Kombattanten, von dem sich die alte und die neue Bundesregierung so deutlich distanzieren. Zwar war auch diese Bewachung von dem Mandat der deutschen Kämpfer gedeckt. Zur Abgrenzung der rot-grünen Koalition gegenüber den US-Praktiken passen solche Hilfsund Spanndienste aber weniger.

Wahrscheinlich ist die Annahme weltfremd, dass sich der Verbündete einer Großmacht im Ernstfall des Krieges von deren Praxis distanzieren kann, auch wenn diese den eigenen, empfindlicheren Rechtsregeln widerspricht. Man möchte nicht in der Haut eines KSK-Offiziers stecken, der im eben freigekämpften Kandahar darüber entscheiden muss, ob seine Leute eben jenen US-Truppen beim Wacheschieben aushelfen, von denen ihr Leben abhängt. Umso befremdlicher erscheint die fortgesetzte Politik der Vernebelung. Bekanntlich hatten Regierungskreise noch vor kurzem lanciert, mit Ausnahme zweier Offiziere habe die KSK-Truppe zu fraglichen Zeit noch in Oman auf ihren Einsatz gewartet. Die Behauptung von Murat Kurnaz, er sei auch von KSK-Soldaten misshandelt worden, ist bisher nicht bestätigt worden. Doch das Gewicht seiner Worte wiegt seit Mittwoch erheblich schwerer.

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