Meinung : Dahin, wo der Pfeffer wächst

Saddam ins Exil – eine reizvolle, aber wenig realistische Idee

Martin Gehlen

Seine Tage sind gezählt. Sein Ende kommt. Fast ein Vierteljahrhundert ist der irakische Diktator Saddam Hussein nun an der Macht. Sein Volk kennt seitdem nur noch Kriegs- und Krisenzeiten, Machtmissbrauch und Despotie. Nun scheint seine verheerende Diktatur angesichts der breiten internationalen Koalition endlich in ihre Schlussphase zu gehen. Und niemand kann sagen, wie viele Opfer gerade dieser heikle Abschnitt seinem Volk noch kosten wird. Egal ob sein Regime durch einen blutigen Krieg von außen entmachtet wird oder ob es von innen durch Militärputsch oder Aufstand stürzt, der Irak wird danach für längere Zeit mit Chaos und Anarchie zu kämpfen haben.

Seit dem Herbst letzten Jahres arbeiten die Vereinigten Staaten nun hinter den Kulissen an einer ganz anderen Variante, bereits erprobt an Gewaltherrschern wie Irans Schah Reza Pahlevi, Ugandas Adi Amin, Paraguays Alfredo Stroessner oder Haitis Jean-Claude Duvalier.

Sie wollen auch Saddam Hussein und seine Familie bewegen, ins Exil zu gehen. Wenn er freiwillig die Macht aufgibt, so locken die Offerten, bleiben er und seine Familie unbehelligt und werden für ihre Untaten nicht zur Rechenschaft gezogen. Mit verschiedenen Regierungen in Europa und dem Nahen Osten haben die USA bereits Gespräche geführt. Ein großer Krieg im Nahen Osten wäre dadurch abgewendet, der Aufbau eines Nach-Saddam-Iraks stünde unter einem günstigeren Stern.

Doch ist ein solche Entwicklung sehr unwahrscheinlich. So dürfte es den USA schwer fallen, unter den arabischen Nachbarn und europäischen Staaten ein aufnahmewilliges Land zu finden. Denn auch die Zeiten für verjagte Diktatoren haben sich geändert. Aus dem Auge aus dem Sinn gilt nicht mehr, wie noch in den siebziger und achtziger Jahren. Der Druck der Weltöffentlichkeit, Gewaltherrscher für ihre Untaten zur Rechenschaft zu ziehen, ist gewachsen. Haben sie ihre Heimat erst einmal verlassen, können sie trotz aller Garantien durchaus vor den Schranken des Internationalen Strafgerichtshofes in Den Haag enden. Das weiß auch Saddam Hussein. Darum wird er Bagdad nicht freiwillig den Rücken kehren. Stattdessen wird er weiter lavieren und beides versuchen – einen Krieg abzuwenden und an der Macht zu bleiben.

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