Meinung : Damals auf dem Fußballplatz

„Ein Abschied für lange Zeit / Vor 60 Jahren trafen Hertha und Union zuletzt in einem Ligaspiel aufeinander“ von Jutta Braun und René Wiese vom 10. September

Mit großem Interesse habe ich Ihren Artikel gelesen. Mein Cousin Kurt Werner war der Torwart dieser illustren Truppe und ist auch den Weg von Ost nach West gegangen. Ich war damals noch ein kleines Schulkind, kann mich aber an die von Ihnen genannten Namen erinnern, teils von Fotos, teils aus Erzählungen meines Cousins. Erwin Wax war legendär, sein Spitzname war „Emmes mit de Dackelbeene“ wegen seiner ausgeprägten O-Beine, mit schwarzem Lockenkopf, der sich in der Mitte schon etwas lichtete. Er war Außenläufer, wie man das damals nannte – ich glaube rechts. Er war ein verwegener Typ und es wurde auch mal durch's Stadion gerufen: „Emmes – warst du letzte Nacht wieder Karnickel klauen?“ Richard Strehlow war Schornsteinfegermeister, mein Cousin Bäcker- und Konditormeister, der Sport lief nebenher. Zu den in Ost-Berlin gebliebenen Spielern gehörte Herbert Raddatz, den ich 1985 zur Beerdigung meines Cousins auf dem Friedhof am Olympiastadion getroffen haben.

So viel ich weiß war der eigentliche Grund, warum die Spieler nach West-Berlin gegangen sind, dass sie Staatsamateure werden und in der Industrie in Oberschöneweide eine pro-forma Anstellung bekommen sollten. Sie wollten sich nicht gängeln und kontrollieren lassen.

Erika Sinha, Berlin-Lichterfelde

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