Meinung : Damals war’s

„Hertha, wir bleiben dir treu“ vom 6. Mai

Zugegeben, ich bin Neuköllner, und damit wohl etwas befangen. Wäre die damals eindeutig bessere Mannschaft (Tasmania) in die Liga gekommen, wäre uns möglicherweise einiges erspart geblieben. Aber vielleicht hat Herr H. (der Gastwirt für die kniffligen Aufgaben) schon damals ein Köfferchen nach Frankfurt gebracht. Hochinteressant für mich sind die Vorkriegssünden; aber das war ja alles nichts im Vergleich zur „Neuzeit" seit 1963. Ich versuche mich zu erinnern: Es begann in einem der ersten Ligajahre in dem über den Abstieg entscheidenden Spiel gegen 1860 München. Das ganze Stadion lachte, so offensichtlich verstolperten die Sechziger die Bälle, damit Hertha zu Angriffsszenen kam. Alle sahen, was ablief, nur in Frankfurt wollte man nichts gesehen haben. Hertha gewann und stieg nicht ab. Jahre später prahlte ein Sechziger im Halbsuff über diese willkommene Nebeneinnahme. Dies war mein letzter Hertha-Besuch. Aber es geht ja weiter: Ebenfalls in den 60er Jahren gab es zweimal Geld vom Berliner Steuerzahler: einen senatsverbürgten Kredit über damals sagenhafte 6 Millionen DM. Den sah die Staatskasse nie wieder. Da das nicht reichte, widmete man das mehr oder weniger wertlose Vereinsgelände in Bauland um. Zugewinn: auch etwa 6 Millionen DM. Da in jenen Tagen die Spielergehälter noch vergleichsweise moderat waren, ist wohl ein erheblicher Teil in Seitenkanäle geflossen. Dann der Verkauf des Bielefeld-Spiels: Es wurden nur die Spieler bestraft, dem Verein wollte man auch diesmal aus Frankfurt nichts anhängen. Aber warum hat dann der Verein nicht die Spieler auf Schadensersatz verklagt (ihren Marktwert)? Eben, weil ganz sicher die Vereinsführung mit im Spiel war.

Ich würde mal wieder hingehen, wenn als kleine Geste die oben genannten 12 Millionen DM (ohne Zinsen!) zurückgezahlt würden. Den Rest würde ich dann unter Wildwest verbuchen.

Wolfgang Erfurth, Berlin-Neukölln

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