Daniel Brühl : „Ich brauche la noche“

Das Stipendien-Programm Erasmus soll womöglich abgeschafft werden. 100 europäische Künstler, darunter Daniel Brühl, setzen sich für seine Rettung ein.

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Daniel Brühl
Daniel BrühlFoto: pa/dpa

Erasmus, keine Frage, ist eine Erfolgsgeschichte. Dank des Austauschprogramms der Europäischen Union haben fast drei Millionen junge Menschen in den vergangenen 25 Jahren im Ausland studieren können. Doch Erasmus ist in Gefahr. Das Programm hat ein Defizit von 90 Millionen Euro angehäuft, Geberländer wie Deutschland drängen auf Kürzungen. Aber jetzt steigen mehr als 100 Prominente wie Schauspieler Daniel Brühl, die Regisseure Detlev Buck und Pedro Almodóvar sowie Fußballer Lilian Thuram auf die Barrikaden: In einem zum Beginn der EU-Budgetverhandlungen veröffentlichten Schreiben fordern sie ausreichend Geld für Erasmus. „Ansonsten könnte Tausenden eine möglicherweise ihr Leben verändernde Erfahrung entgehen.“

Daniel Brühl ist ein überzeugter Europäer, dafür brauchte er nicht mal ein Austauschprogramm. Der Sohn eines deutschen Fernsehregisseurs und einer spanischen Lehrerin wurde vor 34 Jahren in Barcelona geboren und wuchs in Köln auf. Er begann seine Karriere in der Seifenoper „Verbotene Liebe“, schaffte den Durchbruch in der Wende-Komödie „Good Bye Lenin!“ und verkörperte in Quentin Tarantinos Historien-Klamotte „Inglourious Basterds“ einen NS- Kriegshelden. Er sei mehr Deutscher als Spanier, sagt er. „Aber je älter ich werde, desto größer wird die Sehnsucht nach dem weniger Gelebten.“

Deshalb hat Brühl seit einiger Zeit neben Berlin einen Zweitwohnsitz: Barcelona. In der katalanischen Hauptstadt hat er seit seiner Kindheit viele Urlaube verbracht, er kennt sich dort so gut aus, dass er ihr das Buch „Ein Tag in Barcelona“ widmete, einen Streifzug durch Ramblas und Bars. Dort heißt es sehnsuchtsvoll: „Ich brauche Läden, aus denen Gesang zu hören ist oder lautes Geplapper, Licht, Paare, die sich mit roten Wangen ineinander verkeilen, müde Kinder, die an den Rockzipfeln der Mütter ziehen, weil sie endlich nach Hause wollen. Ich brauche: la noche.“

Auch die Spanier kennen inzwischen den Schauspieler Daniel Brühl. Für seine Rolle als anarchistischer Franco-Gegner in „Salvador – Kampf um die Freiheit“ war er für einen Goya nominiert, den wichtigsten Filmpreis des Landes. Es folgten bisher drei weitere spanischsprachige Auftritte. Brühl ist ein Star, der sich etwas Linkisches bewahrt hat. Das macht ihn zum idealen Sympathieträger. Im nächsten Jahr wird man ihn im Kino als Niki Lauda sehen. Der Rennfahrer bezahlte seine Leidenschaft fast mit dem Leben. Christian Schröder

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