Meinung : „Dann muss das wohl so sein.“

Matthias B. Krause

Zu gerne hätten die Anwälte von Stanley „Tookie“ Williams, 51, ein spätes Geständnis von ihm gehabt. Ein reuevolles Eingestehen seiner Schuld an den vier Morden, die ihm zur Last gelegt werden, hätte der Kampagne genutzt, die seit Wochen läuft, um den prominenten Todeskandidaten von San Quentin zu retten. Doch Williams antwortete das Gleiche, was er schon bei seiner Gerichtsverhandlung 1981 und danach immer wieder betonte: Ich bin unschuldig. Und: „Wenn meine Unschuld mich mein Leben kostet, dann muss das wohl so sein.“

Er habe keine Angst vor dem Tod, sagte er noch, nur vor Gott. Mit dem hofft er inzwischen seinen Frieden geschlossen zu haben. Als Jugendlicher gründete Williams die berüchtigte Bande „Crips“ in South West Los Angeles. Über das gesamte Land und selbst bis nach Südafrika hat sich die gewalttätige Gang, deren Mitglieder tausende Leben auf dem Gewissen haben, ausgebreitet. Williams sagte sich von ihr erst nach vielen Jahren im Gefängnis los. Er schrieb Kinderbücher und eine Biografie, in der er die Abkehr von der Gewalt predigt. Er half, einen Waffenstillstand zwischen den Crips und den Bloods in New Jersey zu vermitteln. Sie vertrauen ihm – und einige hören auf den geläuterten Anführer.

Seine Freunde nominierten ihn mehrfach für den Friedens- und für den Literatur-Nobelpreis. Der Rapper Snoop Dogg, einst selbst ein Crip, geht für Williams jetzt ebenso auf die Straße wie Oscar- Preisträger Jamie Foxx oder Bianca Jagger. Im ganzen Land schicken Gegner der Todesstrafe zehntausende E-Mails und Briefe an Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger, der Tookies letzte Hoffung ist. Der muss entscheiden, ob Williams tatsächlich geläutert oder immer noch der „kaltblütige Mörder“ ist, der seine Opfer exekutierte und danach Witze über sie machte, wie Staatsanwalt und Polizei sagen.

Zwei andere Gnadengesuche hat Schwarzenegger bereits abgelehnt. Mitleid reicht den Gouverneuren in solchen Fällen normalerweise nicht aus. Sie suchen nach Fehlern im Verfahren oder fragen sich, ob der Todeskandidat mental krank ist. Beides scheint auf Tookie Williams nicht zuzutreffen. Aber Schwarzenegger muss auch die politischen und sozialen Auswirkungen seiner Entscheidung bedenken. Für den Fall, dass Williams Dienstag früh mit der Giftspritze hingerichtet wird, ist die Polizei in Los Angels bereits in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden.

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