Darell Issa: : „Mehr als elf vom Secret Service waren beteiligt“

Er leitet den Parlamentsausschuss zur Regierungskontrolle. Nun will der Republikaner Darrell Issa den Sex-Skandal des amerikanischen Secret Service aufklären - auch um Barack Obama zu schaden. Ein Porträt.

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Foto: AFP
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Bekommt Darrell Issa vielleicht doch noch die Chance, auf die er seit über einem Jahr wartet? Dank des Siegs der Republikaner bei der Kongresswahl 2010 leitet der Konservative aus Kalifornien den Parlamentsausschuss zur Regierungskontrolle. Er werde alle Skandale der Regierung Obama offenlegen, die bisher vertuscht wurden, weil die Demokraten zuvor die Mehrheiten hatten, hatte er angekündigt. Aufsehenerregende neue Erkenntnisse ist er bisher jedoch schuldig geblieben.

Nun will er die Affäre um sexuelle Dienstleistungen und Trinkgelage von Mitgliedern des Secret Service in Cartagena, Kolumbien, aufklären. Sie sollten Präsident Obamas Teilnahme am Panamerikanischen Gipfel vorbereiten und wurden noch vor dessen Ankunft durch ein neues Team ersetzt. Der Vorfall wird zwar längst vom Secret Service selbst untersucht sowie von der Regierung. Es gibt zudem keine parteipolitischen Differenzen darüber. Auch Obama fordert lückenlose Aufklärung und sagt, wenn die Vorwürfe zutreffen, schade das dem Ansehen der USA.

Aber Issa hat schon mal angedeutet, dass er der Untersuchung des Dienstes und der Regierung nicht traue. Ohne auszuführen, warum die genannte Zahl von elf Personenschützern aus seiner Sicht nicht zutreffe, sagt er: „Ich denke, dass mehr beteiligt waren.“

In der amerikanischen wie der übrigen internationalen Berichterstattung hat die Affäre die politischen Beratungen der Staaten Nord-, Mittel- und Südamerikas in den Hintergrund gedrängt. Die jeweiligen Nachrichten dazu spiegeln aber die kulturellen Unterschiede im Umgang mit Sex und Prostitution in den USA, Lateinamerika und Europa. In den USA ist Prostitution verboten. Auch für den Umgang mit Alkohol gibt es in vielen Landesteilen strenge Regeln. Die Vermeidung beider Themen in der öffentlichen Debatte ist Teil des Versuchs, unerwünschte Laster zu bekämpfen. So war aus US-Medien nur andeutungsweise zu erfahren, was nachts in den Zimmern der Personenschützer vorgefallen sein soll. In mindestens einem Fall soll dort morgens eine Prostituierte gewesen sein; es habe Streit um die Bezahlung der Dienstleistung gegeben. Deshalb sei die Polizei gerufen worden, und die habe den Vorfall der US-Botschaft berichtet. US-Medien konzentrierten sich anfangs auf die Frage, ob es Gefahr für Obamas Sicherheit gegeben habe. Und kamen nach längeren Umschreibungen der Vorfälle zu dem Schluss, dies sei nicht der Fall. Christoph von Marschall

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