Darüber sprechen die ganzen … : …Niederlande

Ruth Reichstein über das Tagebuch einer holländischen Guerillera im Dschungel Kolumbiens

Ruth Reichstein

Sie hat große braune Augen, dunkle Augenbrauen, trägt einen Krempenhut und eine grüne Militärjacke. So sieht die Niederländerin aus, die sich vor sieben Jahren der kolumbianischen Guerilla angeschlossen hat. Jetzt hat das kolumbianische Militär Ausschnitte aus ihrem Tagebuch und ein Video veröffentlicht, auf dem die junge Frau zu sehen ist. Beides, so die Armee, habe sie in einem Camp der Farc gefunden, das sie angegriffen habe.

„Eillen“ – so der Deckname der Holländerin – war nach mehreren Reisen nach Kolumbien mit dem Ziel in den Dschungel aufgebrochen, die Rebellen bei ihrem Kampf gegen das Militär, gegen Unterdrückung und Ungerechtigkeit zu unterstützen. Aber nun bangen die Eltern von Tanja Nijmeijer zu Hause in den Niederlanden um das Leben ihrer Tochter – und zwar gleich doppelt. Sie befürchten, dass ihr beim Übergriff der Armee auf das Camp der Revolutionäre etwas passiert sein könnte. Außerdem wächst die Angst, dass die Rebellen ihre 29 Jahre alte Tochter nicht mehr gehen lassen, sie als Geisel nehmen wie die französische Politikerin Ingrid Betancourt, die sich seit fünf Jahren in der Gewalt der Guerilla befindet.

Denn in ihrem Tagebuch geht die junge Frau durchaus kritisch mit den Rebellenführern um. Sie beklagt die strenge Hierarchie und die Ungerechtigkeit ihrer Kommandanten. Mehrfach gibt sie zu Protokoll, dass sie sich wie eine Gefangene fühle. „Wer weiß, wie lange ich noch in diesem Dschungel eingesperrt bleibe ...“, lautet ihr letzter Eintrag vom 16. Juli 2007.

Tanja Nijmeijer ist kein Einzelfall. Mindestens 20 junge Europäer haben sich nach Schätzungen dem Kampf der kolumbianischen Guerilla angeschlossen. Offensichtlich wirbt die Farc seit mehreren Jahren im linken Milieu in Europa. Roelant Jonker, ebenfalls Niederländer, wurde 2001 acht Monate lang von der Farc gefangen gehalten. Nur ein hohes Lösegeld rettete den Niederländer. Er sieht nur wenige Chancen, dass „Eillen“ sich lebend von der Guerilla verabschieden könnte. Die Eltern von Tanja Nijmeijer wollen nun alles versuchen, um ihre Tochter zurück in die Niederlande zu holen. Die kolumbianische Regierung hat bereits versichert, dass die junge Europäerin nicht als „Kriminelle“ behandelt würde, sollte sie sich stellen oder gefangen genommen werden.

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