Darüber spricht die ganze … : … Ukraine

Witali Klitschko will Bürgermeister von Kiew werden. Er hat sogar Rudy Giulianai aus New York einfliegen lassen. Knut Krohn über einen Boxer, der in die zweite Runde geht.

Knut Krohn

Witali Klitschko hat einen klaren Zeitplan: Heute will der 36-Jährige die Wahl zum Bürgermeister in Kiew gewinnen und im Herbst dann noch einmal Boxweltmeister werden. Glaubt man den Umfragen, wird es dem Ex-Champion allerdings leichter fallen, im Ring zu siegen. Amtsinhaber Leonid Tschernowitzki, sein Gegner in der ukrainischen Hauptstadt, liegt weit vor Klitschko. Dem hat der prominente Beistand offenbar wenig genutzt: Rudolph Giuliani, der ehemalige Bürgermeister von New York, der seine Stadt mit harter Hand erfolgreich von Korruption und Kriminalität befreit hatte, war extra für den Wahlkampf eingeflogen worden. Auch Klitschko, der seit zwei Jahren im Stadtparlament von Kiew sitzt, hat sich den Kampf gegen das organisierte Verbrechen auf seine Fahnen geschrieben. Zudem will der Boxer die Stadt und ihre Infrastruktur einer radikalen Modernisierungskur unterziehen.

Doch Klitschko hat ein gravierendes Problem: Die Leute finden ihn sehr sympathisch, trauen ihm aber immer noch nicht zu, die Stadt zu regieren. Denn bereits im März 2006 hatte der Profi-Boxer die Abstimmung knapp gegen den exzentrischen Bankier Tschernowitzki verloren. Der erhielt damals 31,8 Prozent der Stimmen, Klitschko nur 23,7 Prozent. Seit dem ersten Tag seiner Amtszeit musste sich Tschernowitzki allerdings mit Korruptionsvorwürfen auseinandersetzen, die schließlich zu den vorgezogenen Neuwahlen geführt haben. Doch trotz aller Anschuldigungen ist der derzeitige Bürgermeister vor allem bei den ärmeren Schichten überaus beliebt. Für sie hat er Sozialwohnungen gebaut, für die Obdachlosen Suppenküchen eingerichtet, er bezahlt regelmäßig die Sozialhilfe und verteilt gratis Lebensmittelpakete. Dafür, dass der Amtsinhaber in den vergangenen zwei Jahren ihre größte Not gelindert hat, werden die meisten Armen ihm heute wahrscheinlich ihre Stimme geben.

Lange hatte Klitschko gehofft, dass sich das Orangene Lager um Premierministerin Julia Timoschenko und Präsident Viktor Juschtschenko für ihn als Kandidaten ausspricht. In diesem Fall wären seine Chancen auf einen Wahlsieg dramatisch gestiegen. Doch angesichts des Streits unter den ehemaligen Revolutionären schickt nun jeder seine eigenen, aussichtslosen Kandidaten ins Rennen. Lachender Dritter ist wohl Leonid Tschernowitzki.

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