Darüber spricht ganz … : … Äthiopien

Wolfgang Drechsler über einen ungleichen Kampf um edle Hochland-Kaffeebohnen

Wolfgang Drechsler

Immer mehr Kaffeetrinker wollen ihren morgendlichen Latte Macchiato mit reinem Gewissen schlürfen. Das „Fairtrade“-Zertifikat gibt vielen die Gewissheit, dass beim Anbau und Aufkauf der Bohnen kein Kleinbauer ausgebeutet wurde. Der Kaffeemarkt ist auf diese Weise zu einer Art Versuchslabor für Verbraucher mit ethischen Grundsätzen geworden. Kein Wunder also, dass die weltweit aktive US-Kaffeehauskette Starbucks auf den Vorwurf der Hilfsorganisation Oxfam, sie unterlaufe alle Bemühungen Äthiopiens zum Markenschutz für drei lokale Edel-Kaffee-Sorten, äußerst empfindlich reagierte.

Oxfam hatte Starbucks vorgeworfen, äthiopischen Kaffeebauern durch die Anfechtung des Markenschutzes fast 90 Millionen Dollar an Einnahmen im Jahr für qualitativ hochwertige Bohnen vorzuenthalten. Jetzt legten Starbucks und die äthiopische Regierung ihren monatelangen Streit bei. In einem Kommuniqué ließen beide Parteien wissen, einen Vertrag über Vertrieb, Vermarktung und Lizenzvergabe für die umstrittenen Arabicasorten geschlossen zu haben.

Doch alle Streitpunkte sind damit nicht vom Tisch. Starbucks und Oxfam sind seit längerem auf Kollisionskurs. Obwohl der US-Konzern einen Großteil seiner Bohnen über Fairtrade kauft, erwirbt Starbucks auch Bohnen, die das Gütesiegel nicht tragen. Ein Grund dafür, so Starbucks, seien die weltweit unterschiedlichen Standards. Starbucks größtes Sakrileg ist in den Augen von Oxfam jedoch, dass die Kette die Fairtrade-Strategie generell hinterfragt, insbesondere die Praxis, den Farmern einen Aufschlag auf den gängigen Marktpreis zu zahlen. Starbucks befürwortet hingegen einen Mix aus technischer Unterstützung und Kleinkrediten für bedürftige Kaffeefarmer.

Die größten Hürden für einen Abbau der Armut unter seinen Kleinbauern haben bislang ohnehin genau jene errichtet, die nun den Schutz für lokale Kaffeesorten einfordern: Äthiopiens Machthaber. So würde es den Kaffeefarmern ungleich mehr helfen, wenn das Regime in Addis Abeba ein attraktiveres Umfeld für Unternehmer schüfe, zu dem vor allem Eigentumsrechte zählen. Auch ein Feldzug gegen die Korruption würde helfen – momentan rangiert Äthiopien auf Platz 130 auf dem Korruptionsindex von Transparency International.

Unter diesen Umständen mutet es etwas merkwürdig an, die Schuld für die Armut der Kaffeebauern vor allem beim Markenschutz zu suchen – und die dafür mindestens ebenso verantwortlichen Regime zu entlasten.

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