Darüber spricht ganz … : … Amerika

Christoph von Marschall über Wassermangel und Wasserverschwendung in Atlanta, Georgia.

Christoph von Marschall

Der Himmel verteilt den nassen Segen eher ungerecht. Es ist nicht gesagt, dass die Bedürftigen Wasser bekommen, und jene, die es im Überfluss haben, sparen. In der Mitte von Texas, wo Angela Merkel gerade George W. Bush besuchte, hat es in diesem Sommer viel geregnet. Die Kanzlerin hat Texas grüner erlebt als im Herbst üblich. In Idaho, weit oben im Nordwesten, wo die berühmtesten Kartoffeln der USA wachsen, gehört Wasserrationierung zu den normalen Vorkehrungen – nicht nur auf den Äckern und im Garten, auch beim Duschen. In Phoenix, Arizona, dem am schnellsten wachsenden Großraum der USA, ist der Colorado im Grand Canyon der Wasserspeicher der Region. Andererseits ist dessen Endlichkeit der einzige ernsthafte Begrenzungsfaktor für weiteres Wachstum.

Der Südstaat Georgia kannte solche Sorgen nicht. Pfirsiche sind sein Symbol – ein Produkt, das ohne Wasser nicht gedeiht. Ebenso wenig die Plantagen, die das historische Bild prägen. In diesem Herbst jedoch sendete der in der Hauptstadt Atlanta residierende Nachrichtenkanal CNN Bilder von ausgetrockneten Seen, an denen die Bootsstege in rissiges Trockenland ragen. Man könnte den Klimawandel haftbar machen, doch an den glauben im konservativen Georgia nicht viele. Und überhaupt: Texas liegt nur tausend Kilometer entfernt, und dort gab es 2007 Regen im Überfluss.

Einen Schuldigen stellte erst der Lokalsender WSB-TV an den Pranger und nun die „New York Times“. Wegen der außerordentlichen Dürre hatte Atlanta zu Verzicht beim Wasserverbrauch aufgefordert und Rationierung bei der Gartenpflege vorgeschrieben. Doch Chris Carlos, ein Immobilienhai mit üppigem Privatgrundstück, verbrauchte allein im September 440 000 Gallonen Wasser (1,5 Millionen Liter). Dabei liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch eines Amerikaners bei 150 Gallonen (570 Liter) pro Tag. Er handelte nicht einmal illegal. Eine Ausnahmeklausel in der Rationierungsanordnung sah vor: Wenn ein professioneller Gartenpflegebetrieb Neuanpflanzungen vornimmt, gilt die Wassersparanordnung nicht. Das war bei Carlos der Fall. Doch wichtiger als das Buchstabenrecht ist in den USA soziale Kontrolle. Carlos entschuldigt sich jetzt pausenlos in bezahlten Anzeigen. Er habe angeblich nichts mitbekommen von Wasserarmut und Rationierung. Das glaubt ihm keiner. Schon vor der Dürre betrug seine monatliche Wasserrechnung 1200 Dollar im Monat – der Sozialetat einer Familie. Soziale Kontrolle ist oft bedenklich. Aber sehr effektiv.

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