Darüber spricht ganz … : … Amerika

Christoph von Marschall über das Comeback von New Orleans - mit guten und schlechten Seiten.

Christoph von Marschall

Drei Jahre nach der Heimsuchung durch Hurrikan "Katrina" ist New Orleans wieder da. Durch das French Quarter ziehen Tag und Nacht die Touristen und genießen das südliche Laisser-faire, aus den Lokalen dringen Jazzklänge und der Geruch kreolischer Spezialitäten wie Gumbo oder Jambalaya. Die Einwohnerzahl liegt zwar noch weit unter Vor-"Katrina"-Niveau, und in den meistbetroffenen Vierteln wie der Lower Ninth Ward oder Lakeview klaffen viele Baulücken. Aber die Stadt hat ihren Rhythmus wiedergefunden, mit seinen guten wie schlechten Seiten.

Das betrifft auch den seit jeher kreativen Umgang mit Steuergeldern der Bundesregierung. 2005 galt deren zögerliche Hilfe als Skandal. Doch die schlechten Gewissen in Washington bescherten New Orleans einen Milliardensegen an Fördermitteln - und damit Masse und Gelegenheit, wieder eigene Skandale zu produzieren. In deren Zentrum steht kurz vor dem dritten "Katrina"-Jahrestag die New Orleans Afordable Homeownership Corporation (NOAH). 2006 hatte die Agentur den Auftrag bekommen, Ärmeren und Älteren bei der Reparatur ihrer Häuser zu helfen. Für Karen Gadbois, eine 2002 aus Boston zugezogene Neubürgerin, war es ein psychologischer Wendepunkt für ihre geliebte Stadt: "der Wechsel von Abriss zu Aufbau". Sie wollte "ein erfolgreiches Programm sehen" und davon erzählen, denn die Steuermilliarden für New Orleans waren anderswo in den USA nicht sehr populär. Dort gilt die Stadt als Sündenpfuhl und Korruptionsnest.

Doch je öfter sie kreuz und quer durch die Stadt fuhr, um die Arbeit von NOAH systematisch zu verfolgen, desto geringer wurde ihre Begeisterung. Von hunderten Objekten, deren Reparatur die Agentur abgerechnet hatte, waren nur wenige wiederhergestellt - oder es gab sie gar nicht. Das betraf "nicht nur einzelne Häuser, sondern ganze Blocks". Gadbois reichte ihre Recherchen an die Zeitung "The Times-Picayune" und das Lokalfernsehen weiter. Die deckten weitere Details auf: NOAH hatte auch Geld für Reparaturen kassiert, die kirchliche Freiwillige geleistet hatten. Der Chef der Agentur und die abrechnenden Baufirmen seien Kumpel, dazu zähle auch der Schwager des Bürgermeisters Ray Nagin. Der berief eilig eine Pressekonferenz ein und warf den Journalisten Mangel an Lokalpatriotismus vor. Die Jagd müsse aufhören, sie beschädige den Wiederaufbau der Stadt. Der "Katrina"-Jahrestag fällt in den Parteitag der Demokraten. Die wollten noch einmal Bushs Versagen hervorheben. Das wird nun schwerer. Bürgermeister Nagin ist Demokrat.

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