Darüber spricht ganz … : … Amerika

Christoph von Marschall über den Wechsel im Ferienstil des US-Präsidenten von George W. Bush zu Barack Obama.

Christoph von Marschall

Die Amerikaner sehen ungewohnte TV-Bilder von der Feiertagsumgebung ihres Präsidenten: Sandstrand, Wellenreiter auf schaumgekrönten, meterhohen Brechern, Palmen, im Hintergrund der Vulkan Diamond Head. Acht Jahre verband die Nation mit den Ferien des "Commanders in Chief" die Pastellfarben rund um George W. Bushs Ranch in Crawford, Texas: trockenes Weideland mit einzelnen Eichen, unter deren ausladenden Kronen Rinder Schatten suchen. Nun also Hawaii, wo Barack Obama 1961 geboren wurde, aufwuchs und seit Jahren mit Frau und Töchtern die Weihnachtstage verbringt. Genau genommen ist er noch gar nicht Präsident. Doch die Medien tun längst so, als ob.

Noch nie kam ein Präsident aus Hawaii. Die Inselgruppe mitten im Pazifik, 8000 Kilometer und zehn Flugstunden westlich von Washington, war 1959, zwei Jahre vor Obamas Geburt, als 50. Bundesstaat in die Union aufgenommen worden. Alles dort scheint neu und aufregend. Von dort habe Obama seine "coole", ausgeglichene Art, schreibt die "New York Times". Das sei der "Aloha Spirit": der Glaube der Hawaiianer an eine göttliche Energie, die Menschen die Kraft gebe, Krisen zu überwinden. Im Frühjahr war seine ruhige Geisteshaltung noch Anlass für die kritische Frage gewesen, ob Obama die nötige Härte habe, um die Wahl zu gewinnen. Einheimische singen vor laufender Kamera "Mele Kalikimaka", die hiesige Version von "Merry Christmas". Nachrichtenmoderatoren auf dem kühlen Festland necken ihre Reporter am Strand von Waikiki mit folgendem Scherz: Normalerweise werden nur deren seriös gekleidete Oberkörper gezeigt, wenn sie ihren Bericht ins Mikrofon sprechen. Nun soll der Kameramann die ganze Person ins Bild rücken - und siehe da, die Damen und Herren Reporter tragen unterhalb der Gürtellinie kurze Strandhosen und Badelatschen.

Vereinzelt wurde gefragt, ob die Obamas sich ein zu luxuriöses Haus gemietet haben, da jetzt in der Krise viele Bürger um Job und Auskommen fürchten müssen. Die "Washington Post" schreibt, die Feriensiedlung Kailua sei aus Sicherheitsgründen ausgewählt worden. Sie liegt auf einer Landzunge mit nur einer Zufahrtsstraße. Die Leibwächter konnten freilich nicht verhindern, dass Paparazzi Fotos schossen, wie Barack Obama sich mit nacktem Oberkörper in die Wellen stürzt. Anders als in Kennebunkport, Maine, wo die Familie Bush ein privates Anwesen an der Atlantikküste mit eigenem Bootssteg besitzt, sind die Strände auf Hawaii öffent liches Eigentum und für jedermann zugänglich.

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