Darüber spricht ganz … : … Finnland

André Anwar über die virtuell-sexuellen Ausschweifungen des finnischen Außenministers Ilkka Kanerva.

André Anwar

Der finnische Außenminister Ilkka Kanerva ist ein tüchtiger Staatsmann. Deshalb verzeiht ihm Regierungschef Matti Vanhanen nun auch, dass er über hundert SMS von seinem Diensthandy an zwei hübsche und um einiges jüngere Damen aus der einheimischen Pornoindustrie verschickt und diese zu intimen Treffen aufgefordert hat.

Der 60-jährige Außenminister hatte nach zahlreichen Zeitungsberichten zugegeben, Textnachrichten an die 29-jährige Stripperin Johanna Tukiainen und ihre Pornofilme produzierende Schwester Julia verschickt zu haben. Vor allem einflussreiche Mitglieder seiner konservativen Sammlungspartei, die zusammen mit dem liberalen Zentrum die Regierungskoalition im Lande bildet, waren erbost über die virtuell-sexuellen Ausschweifungen ihres öffentlichen Topvertreters.

Nun aber kann der Außenminister durchatmen. Der Premierminister vom Koalitionspartner macht dem Leitspruch seiner liberalen Partei alle Ehre und legt seine beschützende Hand über den Außenminister. Diensttelefon hin oder her – das Ganze sei schließlich Kanervas Privatangelegenheit. Nur der Fraktionschef der konservativen Sammlungspartei deutete auch an, dass die ungewöhnliche SMS-Leidenschaft des Außenministers „Dinge enthält, die sicher Ursache für Kritik liefern“. Er habe ein ernstes Gespräch mit Kanerva geführt. Auf die Frage, inwieweit er dabei einen reuevollen Außenminister vorgefunden habe, antwortete er: Der Außenminister habe zumindest ein betretenes Gesicht gemacht.

Dass der Regierungschef seinen Außenminister so in Schutz nimmt, könnte auch mit seinen eigenen Erfahrungen zusammenhängen: Vanhanens Exfreundin Susan Ruusunen veröffentlichte mitten im Wahlkampf 2007 ein Buch über ihre neunmonatige Zeit als Liebhaberin des Ministerpräsidenten – mit intimen Schilderungen über deren Sexleben. Die beiden hatten sich auf einer Kontaktseite im Internet kennengelernt. Laut des Buches beendete Vanhanen die Beziehung mit einer sehr kurzen Diensthandy-SMS. Zurzeit verklagt er seine Ex-Freundin: In der ersten Instanz verlor der Premierminister zwar, kündigte aber an, in die nächste zu gehen. Das Buch war eigentlich schon in Vergessenheit geraten, und Parteikollegen Vanhanens empfahlen ihm, den Fall nicht vor Gericht zu bringen. Der Regierungschef blieb trotzig. Er unterstrich mehrmals, es gehe ihm ums Prinzip, dass das Privatleben von Politikern privat bleiben müsse – deshalb vielleicht auch der väterliche Schulterschluss mit seinem Außenminister, vermuten finnische Kommentatoren.

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