Darüber spricht ganz … : … Indonesien

Moritz Kleine-Brockhoff über Donuts, Rosen und korrupte Staatsanwälte in Jakarta.

Ende Mai zeigte sich Artalyta Suryani noch entspannt. Die wegen Korruption angeklagte Geschäftsfrau verteilte im Gerichtssaal Rosen, Schokolade und Donuts. Ayin, so ihr Spitzname, fühlte sich sicher. Die Lobbyistin ist perfekt vernetzt: Indonesiens Präsident und der Polizeichef kamen zur Hochzeit ihres Sohnes. Der mächtigen, vor ein paar Jahren geschaffenen Antikorruptions-Kommission KPK imponierte das nicht – sie fordert fünf Jahre Gefängnis. Als Ayin das hörte, brach sie in Tränen aus: „Das geht zu weit, es ist nicht human“, rief sie. Das Urteil steht noch aus.

Außer Ayin ist der Mann angeklagt, den sie bestochen haben soll: Staatsanwalt Urip Gunawan. Der Beamte stellte Ermittlungen gegen einen Bekannten Ayins ein und nahm zwei Tage später 660 000 US-Dollar von ihr an. Die KPK-Ermittler hatten zu diesem Zeitpunkt längst die Telefone angezapft. „Auftrag ausgeführt“, meldete der Staatsanwalt nach seinem Ermittlungsstopp. Und fragte: „Kein Bonus?“. Ayin: „Doch“. So wurden wohl aus „sechs“, 600 000 Dollar, per Bonus 660 000 Dollar. Die hatte Gunawan bei sich, als er aus Ayins Haus kam und verhaftet wurde.

Das Haus hatte Ayin einem Bekannten abgekauft, und um den, den Mogul Sjamsul Nursalim, geht es eigentlich. Er lebt in Singapur, der Schweiz Asiens. Nursalim machte früher in Indonesien viel Geld mit Reifen und legte sich eine Bank zu, die BDNI. Als 1997/98 die Asienkrise zuschlug, wollte Indonesiens Zentralbank mit 13,5 Milliarden Dollar 48 Banken retten, die nicht mehr liquide waren. Nursalims BDNI bekam 3,7 Milliarden Dollar und ging, wie fast alle Banken, wundersam trotzdem pleite. Prüfer fanden, dass 98 Prozent der Zentralbank-Hilfe veruntreut wurden. Der Staat forderte das Geld zurück, auch 3,35 Milliarden von Nursalim. Er überschrieb jedoch nur wenige Vermögenswerte und erhielt 2004 einen umstrittenen Persilschein. Jüngst ergaben Ermittlungen, dass Nursalim dem Staat noch 500 Millionen schuldet. Statt einer Anklage wurde das Verfahren jedoch eingestellt – wohl dank der 660 000 Dollar, die Ayin dem Staatsanwalt gab.

Im alten Indonesien wäre so etwas nicht aufgedeckt worden. Von wem auch, wenn die Staatsanwaltschaft korrupt ist? Im neuen Indonesien gibt es die KPK, die seit drei Jahren abhört, verhaftet und verurteilt. KPK-Ermittlern ist nichts heilig, sie durchsuchten Büros am Obersten Gericht und im Parlament. Jüngster Fang ist ein Abgeordneter, der mit 75 000 US-Dollar geschnappt wurde. Er soll einer Firma zu einem Staatsauftrag verholfen haben.

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