Darüber spricht ganz … : … Israel

Igal Avidan über Befehlsverweigerung in der Armee und eine übereifrige ausgemusterte Soldatin

Igal Avidan

Zwölf israelische Soldaten haben sich diese Woche neue Befehlshaber ausgesucht. Sie folgten nicht mehr ihren Kommandanten, sondern ihren Rabbinern und weigerten sich, zwei von jüdischen Siedlern illegal besetzte Häuser in Hebron zu räumen. Die national-religiösen Soldaten, die in einem Sonderprogramm Militärdienst mit Religionsstudium verbinden, wurden zu Haftstrafen verurteilt und aus ihrer Einheit abgezogen. Aber für viele Israelis sind sie Helden. Auf Flugblättern, die in Tausenden Synagogen an diesem Schabbat verteilt wurden, preist man sie als „Helden Israels“, die den Regeln der heiligen Thora gefolgt seien.

Seit einigen Jahren ist die israelische Armee nicht mehr der Klebstoff der Gesellschaft. Mit der zweiten Intifada 2000 weigerten sich mehrere linksgerichtete Soldaten und Offiziere, in den besetzten Gebieten zu dienen. Rechtsnationale Soldaten lehnten 2005 wiederum ab, jüdische Siedler aus dem Gazastreifen zu bringen. Das wachsende Misstrauen gegenüber Soldaten, die Militärdienst mit Religionsstudium verbinden, führt bereits dazu, dass sie künftig nur noch in gemischten Kompanien zusammen mit säkularen Soldaten dienen dürfen. Andererseits fürchtet die Armee, dass sich immer weniger national-religiöse Soldaten freiwillig für Eliteeinheiten melden, denn sie bilden inzwischen das Rückgrat dieser Kampfeinheiten.

Vor diesem Hintergrund freuten sich viele, von der übertriebenen Motivation einer religiösen Soldatin zu erfahren. Gegen den Willen ihrer Familie meldete sie sich zum Militärdienst an. Vor fünf Jahren wurde sie nicht zum Offizierskurs zugelassen und ausgemustert. Ihr Kampfgeist wurde dadurch nur gestärkt. So begann sie eine Offizierskarriere – außerhalb der Armee. Sie kaufte eine Uniform, Offiziersabzeichen und drei teure Gewehrattrappen mit Zielfernrohr. Um ihre Depressionen zu überwinden, ging sie jahrelang ungestört in Kasernen landesweit ein und aus, und während des letzten Libanonkrieges schloss sie sich sogar einer Fronteinheit an. Zum Glück marschierte sie nicht in den Libanon ein. Nachdem ein Soldat sie wegen Diebstahls anzeigte, flog die Geschichte auf. Den erstaunten Polizisten erzählte die 24-Jährige, wie sie in Uniform vor dem Spiegel sich selbst stolz salutierte. Bei einer Hausdurchsuchung fand man geheime militärische Landkarten und Granatenzünder. Eine psychologische Untersuchung zeigte, dass die patriotische Israelin völlig normal ist. Sie wurde daraufhin freigelassen, darf aber nicht mehr in die Nähe einer Militärbasis kommen.

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