Darüber spricht ganz … : …Israel

Israels Erziehungs- und Bildungswesen steht am Abgrund. Charles A. Landsmann über die akademische Apokalypse

Charles A. Landsmann

Eltern, Lehrer und Professoren, Schüler und Studenten wissen um die bildungspolitische Misere in Israel seit Jahren. Jetzt haben es endlich auch die Politiker gemerkt, die das Bildungsbudget bisher in jedem Jahr drei bis vier Mal gekürzt haben. Erstmals seit Jitzhak Rabins Zeiten erhöhten sie nun für 2008 die Ausgaben des Erziehungsministeriums.

Wohl zu spät, denn das Pisa-Unterschichtenland Israel sinkt nicht nur im internationalen Vergleich immer weiter ab, sondern taumelt von einem Lehrerstreik zum zweiten: Seit nun schon zwei Monaten streiken die Dozenten der sieben israelischen Universitäten, fast so lange wie zuvor die Studienräte der Gymnasien und Mittelschulen, und ein Streikende ist nicht abzusehen. Vor allem, weil nicht oder kaum verhandelt wird. Einmal sahen sich die Kontrahenten neun Tage lang nicht. Noch immer halten die Dozenten an ihrer ursprünglichen Forderung von 30 Prozent Lohnerhöhung fest, während die Regierung sieben Prozent anbietet. Bis zu 2650 Euro zahlen Israels Universitätsstudenten im Moment also an Studiengebühren – für nichts. Sie zahlen dafür, dass sie zu Hause bleiben müssen.

Inzwischen haben sich die Universitätschefs an den Präsidenten des Landesarbeitsgerichts mit dem Ersuchen gewandt, intensive Verhandlungen anzuordnen oder aber gerichtliche Arbeitsbefehle auszugeben. Die Antwort der Dozenten auf das Vorgehen ihrer Bosse an bisher vier Universitäten: Sie fordern die Absetzung ihrer Präsidenten. Die wiederum und die Rektoren haben schon vor längerem klargestellt, dass falls nicht bald wieder studiert wird, nicht nur das Wintersemester, sondern womöglich das ganze Studienjahr annulliert werden müsse. Die akademische Apokalypse.

Angefangen hatte die Grundschullehrergewerkschaft, die massive Lohnerhöhungen erkämpfte. Später, als die Studienräte in den Streik traten, bemerkten viele Grundschullehrer, dass sie von den cleveren Finanzbeamten über den Tisch gezogen worden waren. Das sollte Ran Eres, dem Vorsitzenden der Lehrerunion, nicht passieren. Als die Regierung mit Arbeitsbefehlen drohte, winkten tausende Studienräte mit Rücktrittsschreiben. Schließlich knickte Eres ein. Anstatt der ursprünglich geforderten 30 Prozent, bleibt es beim ursprünglichen Angebot von vier Prozent für Kaufkraftverlust und fünf Prozent Teuerungszulage. Macht insgesamt durchschnittlich knapp 1000 Euro. Oder anders: Zweieinhalb Studienratsmonatslöhne reichen für Studiengebühren für ein Jahr!

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