Darüber spricht ganz … : …Israel

Charles a. Landsmann über „Crèmeschnitte“, einen ehrlichen Polizisten, der seinem Namen Efraim Ehrlich alle Ehre macht.

Charles a. Landsmann

Er macht seinem Namen alle Ehre: Israels bekanntester Polizist heißt Efraim Ehrlich. Er deckte den wohl größten Korruptionsskandal in der Geschichte der Polizei auf. Von Politik und Medien gelobt, wird er in der Polizei seither nur gemobbt.

Hebron, die zwischen Palästinensern und jüdischen Siedlern geteilte Stadt im Westjordanland, hat zwar keinen Bahnhof, aber ein Abstellgleis für unbequeme Offiziere. Auf dieses soll Ehrlich, der seit Jugendzeiten den deutschen Kosenamen „Crèmeschnitte“ trägt, als stellvertretender Polizeikommandant abgeschoben werden. Doch der mehrfach ausgezeichnete Polizei-Oberstleutnant wehrt sich.

Vor ein paar Jahren lächelten Polizeiobere über Ehrlichs Spitznamen. Doch das Lächeln verging, als sich herausstellte, dass der gutinformierte Offizier X, der schwere Anschuldigungen gegen die Führung des Süddistriktes der Polizei vorbrachte, und „Crèmeschnitte“ identisch waren. Eine Untersuchungskommission kam zum Schluss, dass die Anschuldigungen zutrafen, dass ein hoher Offizier Beziehungen zu einem Gangsterclan unterhielt und seine Vorgesetzten ihn trotzdem beförderten. Der Kommandant des Süddistriktes, inzwischen zum Oberkommandierenden der Polizei ernannt, trat zurück, ein gewisser David Cohen wurde neuer Chefpolizist. Der mag Ehrlich nicht – und will ihn nun schon zum dritten Mal horizontal „befördern“, statt zum Oberst aufsteigen zu lassen.

Die neueste Runde im Kampf um Ehrlich hat dieser selbst eingeläutet, indem er einen zwei Jahre alten Videofilm beim Obersten Gericht einreichte. Ehrlich, damals Kommandant der Verkehrspolizei, erwischte den Chef des Untersuchungsdepartements, ja genau, David Cohen, mit Tempo 180, exakt das Doppelte der erlaubten Höchstgeschwindigkeit. Cohens Verteidigung: Die Geschwindigkeitsmessung sei „piratisch“ erfolgt und deshalb vor Gericht nicht zulässig.

Die Retourkutsche erfolgte prompt: „Schwerste Verdachtsmomente“ wegen Korruption, Bereicherung im Amt, ja Geheimnisverrats gegen Ehrlich. So soll er in einem Restaurant jahrelang gratis gegessen und als Gegenleistung die darüber liegende illegale Spielhölle verschont haben. Doch Zeugen widersprechen. Ehrlich habe im „Haus der Sünden“ immer gegessen, gezahlt und sei dann nach oben gegangen. Im ersten Stock nahm er die Huren des Bordells fest, im zweiten hob er das illegale Casino aus. Nach rund 50 Anzeigen Ehrlichs gegen den Bordell- und Spielhöllenbesitzer streckte dieser die Waffen: „Wegen Ehrlich ist das Haus nun zu.“

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