Darüber spricht ganz … : ...Jakarta

Moritz Kleine-Brockhoff über einen Erlass, durch den die Partnerstadt Berlins sauber und ordentlich werden soll.

Moritz Kleine-Brockhoff

Nun geht er, der Herr Sutiyoso. Nach zehn Jahren als Gouverneur von Indonesiens 13-Millionen-Hauptstadt Jakarta ist Schluss. Zum Abschied vollbrachte der General im Ruhestand, ein urbaner Fürst, noch eine Glanztat. Er boxte einen Erlass durch, der sein Chaos-Jakarta, Partnerstadt Berlins, bestimmt im Handumdrehen in eine ordentliche Metropole verwandelt. Prostitution, Warenverkauf und Schlafen auf der Straße, Betteln, unregistrierte Tierhaltung, Feuerwerkskörper und vieles mehr sind nun nicht mehr nur verboten, das war seit 1988 der Fall. Ab sofort, welch Durchbruch, sollen die Regeln auch eingehalten werden. Verstöße können drei Monate Knast und umgerechnet 4000 Euro Geldstrafe nach sich ziehen. Und zwar auch für diejenigen, die bei fliegenden Händlern kaufen, Bettlern etwas geben oder sich mit wartenden Damen unterhalten.

Armut, Schmutz, Drogen, Prostitution, Stau, Überschwemmung, Smog: Sutiyoso hätte um ein Haar ein Schmuddel-Jakarta hinterlassen. Zum Glück kam jetzt noch dieser Erlass, der wohl Wunder wirken wird. Wo Obdachlose hin sollen, wo Straßenkinder schlafen können, wie Arme ohne Betteln und Straßenverkäufer ohne Verkauf zurechtkommen – das wird sich schon irgendwie regeln. Bislang sichern sich Hunderttausende, die auf der Straße durch kleine Geschäfte überleben, ihren Stammplatz durch Bestechung von Ordnungskräften. Vielleicht verbietet Sutiyoso ja in seinen letzten Amtstagen auch noch einmal die Korruption und erlässt, dass auch dagegen vorgegangen wird. Prostituierte kann der Gouverneur selbst verscheuchen. Ein paar hundert Meter von seinem schicken Haus im Stadtteil Menteng entfernt stehen nämlich jede Nacht viele Damen, genauer gesagt Transvestiten. Gut, dass jemand jetzt mal Bescheid gesagt hat und dass der Gouverneur nun so schnell handelt.

Kleinliche Miesmacher fragen, warum die Probleme Jakartas und seiner Einwohner in zehn Sutiyoso-Jahren nur schlimmer wurden. Das ist nun wirklich ungerecht. Immerhin hatte der Gouverneur 2002, nachdem 30 Menschen bei Überflutungen starben, öfter über das Thema Kanalisationsausbau geredet. Dass dieses Jahr wieder 55 Menschen ertranken, lag doch am Wetter. Sutiyoso war einst vom Militärherrscher Suharto als Gouverneur ernannt und später vom Stadtrat bestätigt worden. Jetzt herrscht Demokratie, der Gouverneur wird vom Volk gewählt. Sutiyoso hat Besseres vor. Nach seinen tollen Taten in Jakarta traut er sich zu, Indonesiens Präsident zu werden.

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