Darüber spricht ganz … : … Polen

Knut Krohn über das real existierende Schengen an der deutsch-polnischen Grenze: am Beispiel des Verbandskastens.

Knut Krohn

In Swinemünde wohnt ein ruhiger und bescheidener Menschenschlag. Was wohl auch daran liegt, dass mit dem wenigen Tourismus an der Ostsee und dem kleinen Grenzverkehr zwischen Polen und Deutschland nicht wirklich viel Geld zu verdienen ist. Plötzlich aber herrscht Verunsicherung im Volk. Der Grund: der deutsche Verbandskasten DIN-13164-B.

Seit einigen Wochen machen Gerüchte die Runde. Deutsche Grenzbeamte würden mit Ferngläsern auf der Lauer liegen und gezielt Fahrzeuge mit polnischen Kennzeichen aus dem spärlichen Verkehrsstrom winken, der allerdings am Wochenende regelmäßig zur Lawine anwächst. Ziel ihrer akribischen Suche: der Verbandskasten. Das berichtet die polnische Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“. „Zuerst prüfen sie, ob du richtige Winterreifen hast, dann fragen sie nach dem Verbandskasten. Die kleinste Abweichung von der deutschen Norm bedeutet, dass du einen Strafzettel bekommst“, berichtet Daniel Szysz, Fotograf aus Swinemünde. Und Frau Barbara musste nach eigenem Bekunden zehn Euro zahlen, weil die Größe der Schere in ihrem Verbandskasten nicht den deutschen Vorschriften entsprach.

Das sei reine Schikane der Deutschen, vermuten die Polen. „Wir kontrollieren Polen und Deutsche“, behauptet jedoch Hartmut Braun von der Polizei in Anklam. Er glaube nicht, dass es eine Zunahme an Strafmandaten wegen Mängeln in der Ausstattung der Autos gibt.

Es könnte also Entwarnung gegeben werden – wenn nicht ähnliche Vorfälle von anderen Grenzübergängen zwischen Polen und Deutschland in Brandenburg gemeldet würden. Dort haben sich allerdings offensichtlich die polnischen Grenzbeamten zur Gegenwehr entschlossen: Sie kontrollierten inzwischen bei den deutschen Autos, ob auch die in Polen benötigten Feuerlöscher an Bord sind. Berichtet wird zudem, dass es beidseitig der Grenze seit Wochen weder Verbandskästen noch Feuerlöscher zu kaufen gebe.

Inzwischen hat sich auch das polnische Konsulat in Berlin in die Sache eingeschaltet. Man hütet sich aber tunlichst, einen zwischenstaatlichen Verbandskasten-Feuerlöscher- Streit vom Zaun zu brechen. Die Betroffenen sollen ihm die Kopie ihres Strafzettels faxen, fordert Konsul Michal Rajniewicz seine Landsleute auf. Erst nach sehr eingehender Prüfung werde man in aller Ruhe weitersehen. Die Angelegenheit „Verbandskasten DIN-13164-B“ scheint also in guten Händen zu sein.

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