Darüber spricht ganz … : … Polen

Knut Krohn über Ortsschilder, auf denen künftig auch der deutsche Name steht.

Die Leute in Radlow sind keine Revolutionäre. Allerdings lebt dort, in Oberschlesien, ein Menschenschlag, der seinen Kopf durchzusetzen versteht. So war Radlow die erste Gemeinde der Woiwodschaft Opole (Oppeln), die Deutsch als zweite Amtssprache einführte. Jetzt folgt der nächste Schritt: Im Sommer werden Ortsschilder aufgestellt, auf denen auch der deutsche Name Radlau zu lesen ist. Bürgermeister Wlodzimierz Kierat legt Wert auf die Feststellung, dass mit dem zweisprachigen Ortsschild nicht das Deutsche betont werden soll, sondern die vielfältige kulturelle Geschichte des Ortes. Rund die Hälfte der Einwohner bekennt sich zu den deutschen Wurzeln. Die Möglichkeit zweisprachiger Ortsbezeichnungen hatte ein 2005 vom Parlament verabschiedetes Gesetz geschaffen. Es sieht ferner vor, dass in Gebieten mit nationalen Minderheiten ihre Muttersprache als Hilfssprache bei Behördengängen zugelassen werden kann.

Im fernen Warschau war der Wunsch nach den zweisprachigen Ortsschildern allerdings auf wenig Gegenliebe gestoßen. Ein Zuschuss von 45 000 Zloty (rund 13 000 Euro) war vor wenigen Monaten im Innenministerium wegen eines „technischen Fehlers“ bei der Buchung der Summe gestoppt worden. Nicht wenige vermuteten dahinter ein Störmanöver der inzwischen abgewählten Regierung unter Jaroslaw Kaczynski. Doch nun ist das Geld eingetroffen – und die Schilder können aufgestellt werden.

Nach Angaben des polnischen Innenministeriums haben 17 weitere Gemeinden mit deutscher Minderheit einen Antrag gestellt, zweisprachige Ortsschilder aufstellen zu dürfen. Doch die müssen einen langen bürokratischen Weg zurücklegen, bevor sie der „Kommission für Ortsnamen und physiografische Objekte“ vorliegen. Dort wird dann über die Namensgebung entschieden – und vor allem darauf geachtet, dass nur historische Ortsnamen verwendet werden, die nicht später als 1936 eingeführt wurden. Denn die Machthaber im nationalsozialistischen Deutschland dachten sich für manche Orte in Polen deutsche Kunstnamen aus, die ihrer nationalsozialistischen Propaganda entsprachen.

So ganz wohl ist Bürgermeister Wlodzimierz Kierat bei der Sache allerdings nicht. Er hofft, dass durch die Ortsschilder das beschauliche Gemeindeleben nicht allzu sehr gestört wird und es nicht doch noch zu Konflikten zwischen den ethnischen Polen und der deutschen Minderheit kommt. Seine Hoffnung ist, dass sich der Rummel schnell legt und wieder Ruhe einkehrt in Radlow/Radlau.

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