Darüber spricht ganz … : … Schweden

André Anwar über den wenig erfolgreichen Versuch, Homosexuellen das Adoptionsrecht einzuräumen.

André Anwar

Vor über einem halben Jahrzehnt hat Schweden als eines der ersten Länder Welt das Recht für homosexuelle Paare eingeführt, Kinder zu adoptieren. Das am 1. Februar 2003 vom Parlament eigens dafür geänderte Adoptionsrecht wurde damals landesweit als progressiv gefeiert. Doch eine erste Zwischenbilanz zeigt, dass es bis heute nur ein einziges homosexuelles Paar gibt, das ein Kind adoptieren konnte. Zu diesem Ergebnis kommt das öffentlich-rechtliche Sveriges Radio nach Durchsicht der Adoptionsakten. Zwar bewarben sich einige gleichgeschlechtliche Paare, ihnen wurde auch vom zuständigen Adoptionsamt nach Prüfung der Verhältnisse die Eignung bescheinigt. Dennoch haben sie bis heute kein Kind zugewiesen bekommen.

„Wir wussten, dass es schwer werden würde. Aber wir haben nicht erwartet, dass es so hoffnungslos aussieht“, sagt Robert Skoglund. Zusammen mit seinem Partner gehörte er zu den ersten, die als Adoptiveltern anerkannt wurden. Es zeigte sich aber, dass vor allem das Ausland die Regelung boykottiert. Bis heute gibt es kein Land, das elternlose Kinder an homosexuelle Paare vergeben will; die Mehrheit der in Schweden adoptierten Kinder kommt aus dem Ausland.

Selbst schwedische Kinder werden vorzugsweise an heterosexuelle Adoptiveltern vergeben, kritisieren Homosexuellenverbände. Damit sei das Gesetz eine Farce. „Solange wir in Schweden unsere Waisen nicht an Homosexuelle vermitteln, wie sollen wir dann ausländische Behörden davon überzeugen, dass dies unproblematisch ist?“, fragt auch Inga Näslund vom Stockholmer Adoptionszentrum. Sie werde von ausländischen Beamten immer wieder gefragt, wie viele Homoadoptionen es in Schweden gebe. „Solange ich mit ‚null’ antworte, sind wir unglaubwürdig“, sagt sie.

Die Argumentation der Adoptionsgegner: Waisen hätten es oft schon schwer durch die Tatsache, dass sie keine Eltern haben. In einem von der Gesellschaft noch immer nicht völlig akzeptierten gleichgeschlechtlichen Elternhaus aufzuwachsen, wäre eine unnötige zusätzliche Belastung für die Kinder, solange es genügend willige heterosexuelle Paare gebe, sagen etwa die Christdemokraten. Wenn sich diese Vorbehalte nicht ändern, gibt es den alten Ausweg: Lesbische und schwule Paare tun sich zusammen und bekommen Kinder in gemeinsamer Absprache. Das gab es indes schon vor der Gesetzesänderung; neu ist immerhin, dass ein Homosexueller das leibliche Kind seines Partners aus einer vorhergehenden heterosexuellen Beziehung adoptieren kann.

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