Meinung : „Das Charisma …

Ralph Schulze

… kommt mit der Macht.

Das hatte der konservative Jose Manuel Durao Barroso vorhergesagt, als er im Frühjahr 2002 die Sozialisten von der Macht verdrängte und portugiesischer Ministerpräsident wurde. Doch auch nach zwei Jahren an der Spitze des südeuropäischen Staates gilt er in seinem Land kaum als mitreißend. Seine Beliebtheit ist auf dem Tiefpunkt und seine Koalition aus konservativen Sozialdemokraten und rechtspopulistischer Volkspartei hätte derzeit keine Chance, wieder die Mehrheit zu gewinnen. Nun soll er auf dem EU- Sondergipfel am Dienstag zum Nachfolger von Kommissionspräsident Romano Prodi gekürt werden.

In Portugal übernahm der heute 48-jährige Durao Barroso die Macht unter denkbar schlechten Bedingungen: Die Sozialisten hatten den Wirtschaftskarren in den Sumpf gefahren und Durao Barroso einen völlig überschuldeten Staatshaushalt hinterlassen. So blieb dem Mann nichts anderes übrig, als die Staatsausgaben zu kappen, dringend notwendige Reformen zu stoppen und die Steuern zu erhöhen. Dies trug offenbar nicht gerade zu seiner Popularität bei. Nur die fünf Milliarden Euro teure Fußball-Europameisterschaft blieb aus „nationalem Interesse“ unangetastet.

Mit europäischen Visionen hat sich Durao Barroso bisher nicht gerade hervorgetan. Vielleicht deswegen gilt er bei den mächtigen Staaten Europas auch als geeigneter Kandidat. Im Falle seiner Wahl rechnet man damit, dass sich der Portugiese für die Interessen der kleineren EU-Staaten einsetzen wird. „Wir müssen die Spaltung zwischen dem Zentrum und dem Rand der EU oder zwischen arm und reich vermeiden“, hatte Durao Barroso einmal gesagt. In der EU-Außenpolitik, etwa mit seiner vehementen Unterstützung des Irakkrieges, befand sich der Portugiese nicht gerade auf dem Kurs Deutschlands und Frankreichs. Wohl stützte er von Beginn an den Entwurf der EU–Verfassung.

In Portugal selbst machte der studierte Jurist nach einer politischen Kehrtwende eine diplomatische Musterkarriere: Ende der 70er Jahre, als Student, war er noch Maoist, 1980 trat er dann in die konservative Sozialdemokratische Partei ein. Schon mit 29 wurde der junge Abgeordnete Staatssekretär im Innenministerium, mit 35 debütierte er als Außenminister. Drei Jahre später, nach der hohen Wahlniederlage der Konservativen gegen den Sozialisten Antonio Guterres, musste er seinen Posten jedoch wieder räumen. Jose Manuel Durao Barroso ist verheiratet und hat drei Kinder.

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