Meinung : Das Dilemma der Schwierigen

„Die Lehrerbildung ist besser als ihr Ruf“ vom 1. Oktober

Immer wieder muss ich auch von Fachleuten wie von Herrn Professor Kipf

lesen, dass, wie er ausführt, die Universitäten allen angehenden Lehrkräften eine solide Basis im Umgang mit schwierigen Schülern zu vermitteln haben. Wenn

ich Schüler schwierig nenne, bin ich

bereits Teil des Problems, habe ich

Schüler stigmatisiert.

Genau darin aber besteht das Dilemma der Lehrkräfte heute, das es so schwer macht, Schule wirklich zu verändern. Es handelt sich bei der beschriebenen Klientel um Schülerinnen mit ungekonnt-unglücklichem Sozialverhalten, die auf dem Gebiet der sozialen Kompetenzen noch Defizite in ihrem Verhalten haben. Sie sind Schüler und müssen noch nicht alles können. Die Lehrer aber sind die Profis, die vorurteilsfrei agieren müssen, um in ihrer Arbeit wirksam sein zu können. Deshalb ist es immer besser, zu beschreiben, was Schüler gerade tun, anstatt sie schwierig zu nennen. Sage ich, dass ein Schüler häufig andere beleidigt, kann ich mit ihm punktgenau an dem Aspekt seines defizitären Sozialverhaltens arbeiten. Nenne ich ihn schwierig, kategorisiere ich ihn, gebe ihm einen subjektiven Stempel und setze damit die Beziehungsebene zu ihm aufs Spiel, ohne die ich aber nicht auf die notwendige Arbeitsebene mit ihm gelange. Wer als Lehrer nicht unterscheiden kann zwischen Problem und Person, gehört nicht an die Schule. Für professionelles Konfliktmanagement sollten Universitäten deshalb vor allem Kurse bereitstellen, denn das ist das Kerngeschäft an vielen Schulen.

Burkhard Günter, Berlin-Wilmersdorf

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