Meinung : Das eigentlich Unglaubliche

Limburger Bischof

Die ganze Aufregung um den Limburger Bischof kann ich in Zeiten von „Stuttgart 21“ und „Kassel-Calden“ nicht ganz nachvollziehen. Hat er auf seinen Baustellen nicht vielen Menschen Arbeit gegeben, statt bloß das Kapital „arbeiten“ zu lassen? Ist es zudem nicht so, dass die Kirche spätestens seit ihrer Einsetzung als Staatsreligion des ab dann „heiligen“ römischen Reiches 380 n. Chr. alles an Steuern, staatlichen Zuschüssen, Spenden, Kollekten, Almosen, Ablässen und Vermächtnissen an sich gerafft hat, was sie nur kriegen konnte, um dann den Großteil davon in Prunk und Protz umzusetzen? Dagegen strahlen des Bischofs Bauten in ihrer fast protestantischen ästhetischen Kargheit jenseits ihrer Kosten durchaus „edle Einfalt und stille Größe“ aus. Die Marien-Nische sowie der Felsenkeller z. B. sind einfach schön. Mit dem Sozialrevolutionär Jesus hat das alles freilich nichts zu tun. Dem pfiffigen Bübchen van Elst wird es so ähnlich gehen wie König Ludwig II. von Bayern: Zu Lebzeiten um Amt und Würden gebracht, werden ihn im Laufe der Jahrhunderte zunehmend größere Scharen von Touristen aus aller Welt für seine Exzesse bewundern, den Ruhm Limburgs mehren und ein Vielfaches von dem in die Kassen der Kirche spülen, was die Bauten einst verschlangen.

Dr. Albrecht Thöne, Schwalmstadt

Warum tun alle so empört über diese „Verschwendung“? Wir wissen doch inzwischen alle, dass der Steuerzahler die Gehälter der Kirchen zahlt und dass er auch noch die Kirchensteuern für die Kirchen einsammelt und dafür keine Kontrollrechte bei den Finanzen der Kirche hat. Die Protzerei in Rom kümmert doch den Katholiken auch nicht, austreten aus dem Verein bringt auch nicht viel, die Steuergelder fließen ja trotzdem weiter. Die Katholische Kirche hat schon vor Hunderten von Jahren Menschen als Ketzer verbrannt, weil sie Armut von den Würdenträgern verlangt haben. Nur weil der neue Papst jetzt den Franziskus raushängen lässt, wird sich in der Katholischen Kirche nichts ändern, das könnte höchstens eine totale Trennung von Staat und Kirche in finanzieller Sicht bewirken. Aber da bestimmt in Deutschland offensichtlich eine Minderheit über die leider schweigende Mehrheit!

Hans-Peter Szivos, Berlin-Lichterfelde

Der öffentliche Zorn über den Limburger Bischof wegen seines selbstherrlichen Verhaltens ist augenscheinlich. Wie der deutsche Staat seine Kirchenfürsten privilegiert und alimentiert, ist dagegen nicht transparent. Wer weiß schon, dass Kirchenfürsten aus Steuergeldern besoldet werden (in der Größenordnung wie Generäle und Staatssekretäre). Wohlgemerkt, nicht aus den Mitteln der Kirchensteuern, die alle Gläubigen an die Kirchen abzuführen haben, sondern zusätzlich aus Steuergeldern nach Besoldungsordnungen entsprechend den Bestimmungen der jeweiligen Bundesländer zulasten derer Haushalte. Dazu kommen Privilegien wie freie Wohnungen und Dienstfahrzeuge mit Chauffeur. Hier sollten neue Maßstäbe greifen.

Werner Kleist, Berlin-Wilmersdorf

Der lesenswerte Essay von Adelheid Müller-Lissner beschreibt auch die aktuelle Problematik um den Bischof von Limburg. Er ist nicht der erste Prominente in der Hierarchie der katholischen Kirche, der unter einer „narzisstischen Persönlichkeitsstörung“ leidet. Ein Dogma, das partnerschaftliche sexuelle Du-Beziehungen als Sünde ansieht, zwingt das Ich zur narzisstischen Rückwendung auf sich selbst, zur krankhaften Selbstliebe, die dann luxuriöser Ich-Prothesen bedarf, wie ein sündhaft teures Wohnumfeld oder Dienstreisen im Flugzeug 1. Klasse. Die Außenwirkung ist Arroganz, aber „hinter der Fassade verbirgt sich oft tiefe Verunsicherung“, die letztlich auch Selbstkritik unmöglich macht.

Dr. Ulrich Merkel, Berlin-Wilmersdorf

Was nie thematisiert wird, ist, dass wir, also alle Steuerzahler, ob gläubiger Christ oder nicht, Herrn Tebartz-van Elst lebenslang sein Bischofssalär bezahlen. Für mich ist das, angesichts der aktuellen Steuerdiskussion, das eigentlich Unglaubliche. Mit welchem Recht fordert die Katholische Kirche auch von Atheisten, Muslimen oder Angehörigen anderer Kirchen die Bezahlung ihrer Bischöfe? Die Regelung geht übrigens auf Napoleon zurück. So viel zur Aktualität unserer Steuergesetze bzw. Subventionen.

Lothar Fiedler, Berlin

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