Meinung : Das falsche Opfer

ide

Katarina Witt war ein Star. Die Eiskunstläuferin holte für die DDR olympische Medaillen und lieferte den Ostdeutschen ein paar kleine Träume von der großen Welt. Katarina Witt ist immer noch ein Star. Sie tourt mit einem Showprogramm durch die USA und wird fürs Fernsehen Olympia in Salt Lake City kommentieren. Katarina Witt ist eine öffentliche Person. Hat da nicht die Öffentlichkeit das Recht, in ihrer Stasi-Akte zu blättern? Das Berliner Verwaltungsgericht sieht das anders. In einer Einstweiligen Anordnung haben die Richter festgelegt: Die Akte Witt bleibt erstmal zu. Ebenso hatte das Gericht im Fall von Altkanzler Helmut Kohl entschieden. Beide Fälle sind aber bei genauer Betrachtung höchst unterschiedlich. Für Helmut Kohl gilt der Opferschutz, der von den Richtern höher bewertet wurde als das öffentliche Interesse. Katarina Witt war aber auch eine Begünstigte der Staatssicherheit. Die Herausgabe von Akten über Personen, die von der Stasi profitiert haben, war bisher wenig umstritten. Mit dem Fall Witt droht eine empfindliche Einschränkung bei der Aufarbeitung der DDR-Geschichte und die Aushöhlung des Stasi-Unterlagengesetzes. Bleibt das Gericht bei seiner Einschätzung, dann bricht der Hüterin der Stasi-Akten, Marianne Birthler, ein wesentlicher Baustein ihrer Arbeit weg. Ihr blieben nur zwei Möglichkeiten: eine kleinere Behörde oder ein anderes Gesetz.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben