Meinung : Das geheime Reisebüro

„Schöneberger Lichtung“ vom 19. August

Ich gebe zu, die herzerwärmende Bezeichnung „Stasibezirk Lichtenberg“ habe ich schon längere Zeit nicht mehr im Tagesspiegel gelesen, dennoch kann man den Eindruck gewinnen, dass Sie unter Berlin ab urbe condita eigentlich nur Westberlin verstehen.

Ich erwarte natürlich nicht, dass sie in diesem Artikel die Geschichte des Alliierten Kontrollrates abhandeln, aber erwähnen könnte man schon, dass in diesem Gebäude „The Allied Travel Office, 1 Berlin 30, Elssholzstrasse 32“ zu Hause war, eine Spionageeinrichtung allererster Güte. Dieses Büro war zuständig für alle DDR-Bürger, die dienstlich oder privat in Natostaaten reisen wollten. Dieses Büro stellte einen „vorläufigen Reiseausweis anstelle eines Passes für deutsche Staatsangehörige“ aus, der halbjährlich verlängert werden musste.

Antragstellung und Verlängerung erfolgten nur bei persönlichem Erscheinen der Antragsteller in diesem „Reisebüro“, die ausgiebig jedes Mal geheimdienstlich befragt wurden. Das gleiche Prozedere lief bei der Visaerteilung durch die Botschaften beziehungsweise Militärmissionen der Natostaaten in Berlin ab.

Boris Mindach,

Berlin-Alt-Hohenschönhausen

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