Meinung : „Das Geschäft muss Spaß machen“

Maren Peters

Er ist bekannt für waghalsige Aktionen. Mit einem Speedboot versuchte Richard Branson einst, den Atlantik zu überqueren, wurde aber von orkanartigen Winden in der irischen See gestoppt. Das Boot versank in den Fluten. Mit einem Heißluftballon wollte der Brite später die Welt umrunden, musste aber in der Sahara notlanden und die Verwirklichung seines Traums auf später verschieben.

Ob es nur Nervenkitzel war oder Marketing für seine Marke „Virgin“, die ihn trieben, hat der Multi-Unternehmer ganz am Anfang seiner wundersamen Karriere selbst beantwortet: „Business should be fun“ („Das Geschäft muss Spaß machen“), erklärte er und blieb seiner Philosophie bis heute treu. Der 56-Jährige hatte mit 17 seine Schullaufbahn beendet. Unter dem Markennamen „Virgin“ verkaufte er lieber Platten, entdeckte wenig später Mike Oldfield, Phil Collins und die Sex Pistols, machte sie zu Millionären und ist heute selbst einer der reichsten Männer Großbritanniens.

Zu Bransons schillernder „Virgin“-Welt gehören inzwischen eine Eisenbahnlinie, Flugzeuge, Hotels, Kinos, ein Mobilfunknetz und eine Bank. Er verkauft auch Wodka, Wein, Motorräder und Hubschrauber. Um Werbung für sein neues Brautmodengeschäft zu machen, rasierte er sich die Beine, um seine Limonade bekannt zu machen, trat er als menschliche „Virgin-Cola“-Dose auf. Nicht immer waren Bransons Projekte erfolgreich, aber Spaß und Risiko liegen eben nah beieinander.

Vor zwei Jahren erklärte der Unternehmer die Phase der eitlen Selbstdarstellung dann für beendet: „Virgin ist als weltweite Marke etabliert“, erklärte der Sohn einer Stewardess und eines Rechtsanwalts aus der englischen Grafschaft Surrey. „Das hat den angenehmen Effekt, dass ich mich nicht immer zum Affen machen muss, um für meine neuen Unternehmen zu werben.“

Mit ungewohnter Seriosität hat Richard Branson gerade seine neuestes Projekt angekündigt: Auf einer Pressekonferenz gab er bekannt, dass er in den kommenden zehn Jahren insgesamt drei Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) in den Klimaschutz investieren wird. Das erste Projekt soll das kalifornische Unternehmen Cilion sein, das neue Formen der Ethanol-Produktion erforscht. Als Antrieb für Heißluftballons ist der Biosprit kaum geeignet. Macht aber nichts mehr: Den Wettlauf um die erste Weltumrundung hat inzwischen ein anderer gewonnen.

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