Meinung : Das Gold wird immer schwärzer

Die Ölpreise steigen – nicht die richtige Zeit, beim Energiesparen nachzulassen

Bernd Hops

Energie ist teuer. Und Energie könnte noch viel teurer werden. Beim Erdöl ist es am offensichtlichsten. 60 Dollar und mehr werden derzeit an den Börsen für ein Barrel (159 Liter) verlangt – wobei den Analysten immer wieder neue Gründe dafür einfallen, weshalb es noch weiter nach oben gehen muss. Versorgungsausfälle sind zwar extrem unwahrscheinlich, aber sie sind nicht mit allerletzter Sicherheit auszuschließen, weil das Polster sehr dünn geworden ist. Knapp sieben Jahre ist es gerade einmal her, da kostete ein Barrel noch etwa zehn Dollar. Parallel zum Öl ist auch Erdgas teurer geworden, beim Strom zeigt die Kurve ebenfalls wieder nach oben. Die einzig logische Antwort: Wir müssen alles dafür tun, Energie zu sparen.

Doch die Entwicklung trifft ein Deutschland, das umweltmüde ist. Klimaschutz? Ein sehr romantisches Anliegen – Jobs gehen wegen der hohen Arbeitslosigkeit natürlich möglichst vor. Erneuerbare Energien? Zu teuer. Windräder werden noch immer vor allem als ästhetische Belästigung oder als Steuersparmodell wahrgenommen, nicht als Zukunftsinvestition. Spritsparende Autos? Will doch niemand. Volkswagen hat genau in dem Augenblick das Ende für die Lupo-Variante, die nur drei Liter auf 100 Kilometer verbraucht, angekündigt, in dem Benzin an deutschen Tankstellen so teuer ist wie noch nie.

Vom Schockzustand wie 1973 und Anfang der 80er Jahre, als die Öl- und Energiepreise sprunghaft anstiegen, ist die deutsche Wirtschaft und Gesellschaft weit entfernt. Zwar rechnen Ökonomen damit, dass die Konjunktur leiden wird, weil vor allem den privaten Konsumenten durch die höheren Treibstoffausgaben das Geld für anderes fehlt. Aber das prognostizierte Minus liegt gerade einmal zwischen 0,1 und 0,25 Prozent – in einem Bereich also, der Statistikern als kaum greifbare Grauzone gilt.

Und dass eine Volkswirtschaft, deren Binnenkonjunktur gut läuft, durchaus mit hohen Benzinpreisen leben kann, zeigt Großbritannien. Dort muss an den Tankstellen wegen eines noch höheren Steuersatzes sogar mehr als in Deutschland bezahlt werden. Die Verbraucher regen sich zwar darüber auf, konsumieren aber trotzdem.

Der Grund ist simpel. Öl ist nur nominal so teuer wie noch nie. Rechnet man die allgemeine Teuerung mit ein, dann war Öl Anfang der 80er am teuersten – verglichen mit heutigen Preisen nämlich etwa 80 Dollar. Und damals war die deutsche Wirtschaft noch viel energieabhängiger als heute. Seitdem wurde viel in neue Technik investiert, um den Energieverbrauch je Produktionseinheit zu senken. In Deutschland geschah das mit besonders großem Erfolg. Man muss nur die hochmodernen Stahlwerke hier zu Lande mit alten Fabriken in China oder selbst in den USA vergleichen. Schöner Nebeneffekt: Die deutschen Entwicklungen konnten international vermarktet werden.

Doch der Schwung ist raus. Die 90er Jahre haben bei weitem nicht die Effizienzsteigerungen gebracht wie die 80er. Im neuen Jahrtausend sind wir auch nicht wesentlich weiter gekommen. Diese Stagnation scheint sich jetzt zu verfestigen. Angela Merkel hat schon angekündigt, die Förderung der erneuerbaren Energien nach einem möglichen Wahlsieg grundlegend neu zu ordnen – zu Gunsten der traditionellen Energieträger. Der international größte Windpark auf offener See entsteht so auch nicht vor der Küste Deutschlands. Er wird von den Briten geplant. Und Merkel ist nur eine von immer mehr Stimmen, die unter Effizienz vor allem eine kurzfristige finanzielle Erleichterung verstehen.

Langfristig dürfte sich ein umweltpolitisch mutigerer Kurs aber auszahlen. Sonst wird uns ein Ölpreis von 100 Dollar, der nicht mehr auszuschließen ist, daran erinnern, wie verheerend ein wirklicher Energieschock sein kann.

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