Meinung : Das Haupthaar-Orakel

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Eine eiserne Regel der Konjunkturforschung besagt bekanntlich, dass die Röcke am kürzesten werden, wenn die Zeiten am schlechtesten sind. Manche Fehlprognose der Experten mag also darin begründet sein, dass sich die durchschnittliche Rocklänge empirisch immer schwer erheben lässt – und Einzelbeobachtungen eine hohe Fehlerquote haben. Deshalb danken wir den deutschen Frisören dafür, dass sie den Wissenschaftlern jetzt einen neuen Indikator an die Hand geben: die Haarlänge der Männer. Bürstenschnitte und Skinheads seien aus der Mode, hören wir, und das wieder längere Haupthaar werde nach Kräften gefärbt. Denn, so die Erkenntnis der Haarkonjunkturforscher: Den Leuten gehe es mies, also wollten sie wenigstens ein bisschen Glanz auf dem Kopf. Doch ist das nun ein Zeichen für das Erreichen der Talsohle – oder nur ein kleiner Trost für den weiteren Weg nach unten? Es hilft nichts: Wir müssen die Haare jener Politiker im Auge behalten, die es besser wissen. Hans Eichel zum Beispiel hat seit Beginn der Krise sein Aussehen praktisch nicht verändert. Träte er demnächst mit Strähnchen auf, wäre das ein schlechtes Zeichen, trüge er Bürste, käme der Aufschwung mit Macht. Doch wie wir ihn kennen, steigt er bestenfalls auf Vokuhila um. Und wieder rätseln alle: bergauf oder bergab?

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