Meinung : Das Haus ohne Tür

Von Christina Tilmann

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Man denke sich den Pariser Louvre ohne I. M. Peis Eingangspyramide. Oder das British Museum in London ohne die geniale Innenhof-Überdachung von Norman Foster. Der Besucher bummelt durch die Buchläden und setzt sich, erschöpft vom Kunstgenuss, ins Café. Ja, er kommt immer gern zurück.

Man denke auch an die Besucherschlangen, die sich für Sonderausstellungen wie „Goya“ oder für Highlights wie den Pergamonaltar regelmäßig um die Berliner Museumsinsel winden, oft genug bei Regen, Sturm, Eiseskälte. In der Alten Nationalgalerie steht man Schlange vor den wenigen Toiletten, im Pergamonmuseum hat man mit unzureichenden Garderoben zu kämpfen. Nein, einen weltstädtischen Eindruck macht die Berliner Museumsinsel, immerhin Weltkulturerbe und eine der größten Touristenattraktionen der Stadt, in dieser Hinsicht nicht.

Noch nicht. 130 Millionen Euro soll das geplante Eingangsgebäude des Stararchitekten David Chipperfield kosten, damit sich das endlich ändert und Berlin auch beim Besucherservice Weltniveau erreicht. Vergleichsweise wenig gegenüber den 2,2 Milliarden Euro, die für die gesamte Renovierung der Museumsinsel bis 2020 veranschlagt sind. Dennoch ist um Chipperfields Entree nun erneut ein ärgerlicher Streit entbrannt.

Wenn der Bundesrechnungshof, auf der Suche nach Verschwendung im Kulturbereich, nun schon zum zweiten Mal das geplante Eingangsgebäude moniert und meint, das Ganze gäbe es doch auch billiger, ist das eine Sache. Sicher, man kann auch einen Container aufstellen und die Besucher open air verpflegen. Schlimm genug, wenn Haushälter immer dort, wo es um Aufsehen erregende neue Architektur geht, den Rotstift zücken – man denke an Peter Zumthors „Topographie des Terrors“ oder an die verkürzten Bahnsteige und verunstalteten Hallen des Berliner Hauptbahnhofs. Dabei ist es doch oft genug gerade die Architektur, die Besuchermassen anzieht – siehe Norman Fosters Reichstagskuppel. Kulturstaatsminister Bernd Neumann, der für die Mittelzuweisung zuständig ist, wäre gut beraten, den Rechnungswächtern entschieden zu widersprechen. Christina Weiss, seine Vorgängerin, hatte das gleiche Ansinnen des Bundesrechnungshofs vor zwei Jahren einen Schildbürgerstreich genennt und auf London, Paris und New York verwiesen. Auch für Neumann gilt: Berlin ist nicht Bremen.

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