Meinung : Das Image der FDP ist ein geborgtes Gesicht

Berichterstattung zur Lage der FDP

Die FDP hat einen langsam fortschreitenden, aber sehr nachhaltigen Imagewechsel vollzogen. Sie hat sich seit vielen Jahren wegbewegt von einer Partei, die für Bürgerrechte sowie für die Verantwortung des Einzelnen und der Gesellschaft gegenüber stand, hin zu einer Partei, deren einziges Interesse in der Liberalisierung der Wirtschaft besteht. Diese Entwicklung begann, als in den jeweiligen Bundesregierungen die FDP nicht mehr das Amt des Innen-, sondern des Wirtschaftsministers beanspruchte. Erinnert sei an prägende Persönlichkeiten wie die damaligen Innenminister Maihofer und Baum, und ihnen seien solche Minister gegenübergestellt, die dann sinnbildlich für den Verfall dieser Partei wurden: Bangemann oder Möllemann. Höhepunkt dieses Verfalls war die fatale Einengung des eigenen Wählerspektrums durch den damaligen FDP-Vorsitzenden Westerwelle auf die „Besserverdienenden“.

Das, was diese Partei früher einmal ausgemacht hat, nämlich eine freiheitliche Grundhaltung im umfassenden und nicht nur im wirtschaftsliberalen Sinne, wird heute eher von den Grünen abgedeckt. Und der wirtschaftsliberale Ansatz hat seine Untauglichkeit glücklicherweise inzwischen unter Beweis gestellt. Diese Partei hat ihre Daseinsberechtigung verspielt, und das liegt nicht allein am derzeitigen Vorsitzenden, sondern ebenso an seinen Vorgängern, die zu flexibel als Mehrheitsbeschaffer agiert, zu oft auf ihre eigene Karriere und zu selten auf das Profil der Partei geachtet haben. Insofern wäre jetzt die Wahl von Rainer Brüderle zum Parteivorsitzenden nur konsequent.

Matthias Springborn,

Berlin-Nikolassee

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben