Meinung : „Das Internet macht Musiker unabhängig“

Christian Tretbar

Er mag es kurz und knackig. Zumindest im Titel. So, Us, Up und jetzt gerade Hit heißen die letzten Soloalben von Peter Gabriel, dem ehemaligen Frontmann der Popgruppe Genesis. Demnächst soll ein neues Album erscheinen, das I/O heißen soll. Seine Songs dagegen sind eher opulent und gerne auch mal etwas länger. Schlicht, aber substanziell muss es bei Peter Gabriel zugehen.

Genauso geht der 57-Jährige auch mit dem Medium Internet um. Während viele Musiker, Produzenten und Plattenfirmen lange über die Gefahren des Netzes lamentierten, war er schon drin. Als einer der ersten Musiker großen Kalibers bot er 2002 sein Album Up nicht nur als CD an, sondern auch als Download. Kurz zuvor gründete er bereits den Internetservice On Demand Distribution, kurz OD2. Es war das erste legale Downloadportal für Musik und ist heute noch technische Grundlage für Musikdienste.

2004 verkaufte Gabriel OD2 an die amerikanische Firma Loudeye für 38,2 Millionen Euro. „Das Internet macht Musiker unabhängiger von Plattenfirmen“, sagte Gabriel damals. Jetzt kommt WE7. Wieder ein kurzer Name für ein interessantes Programm.

Zusammen mit Steve Purdham und John Taysom entwickelte Gabriel dieses neue Downloadportal. WE7 ist eine werbefinanzierte Musikplattform, bei der Nutzer Musik kostenlos herunterladen können. Allerdings muss man sich vor jedem Hören einen zehn Sekunden langen Werbespot und ein Jingle von WE 7 gefallen lassen. Das Werbeangebot ist genau auf den jeweiligen Benutzer abgestimmt. Vier Wochen lang muss er damit leben, dann wird der Titel werbefrei. Dafür gibt es keinen Kopierschutz und die Lieder laufen auf allen gängigen MP3-Spielern. Die Hälfte der Einnahmen geht an die Musiker und die jeweiligen Rechteinhaber. Einziger Haken bei der ganzen Sache, die im Juli offiziell starten soll: Es gibt bisher kaum bekannte Interpreten, die mitmachen. Grund dafür ist auch die Weigerung der größeren Plattenfirmen, sich an dem Projekt zu beteiligen. Bananarama, Herbie Hancock und Dave Matthews sind noch die bekanntesten Angebote.

Selbst seine eigenen Songs sind in der Testversion noch nicht zu haben. In der Vollversion ab Juli aber vermutlich schon. Doch WE7 soll auch vor allem für junge Bands und Künstler eine Plattform bieten. Schließlich wird es auch Community-Elemente geben, so dass man über die heruntergeladene Musik auch gleich diskutieren kann. Aber bitte kurz und knapp – im Sinne Gabriels.

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