Meinung : „Das ist das schönste Amt in Niedersachsen“

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In Hannover sind an diesem Sonntag Kommunalwahlen, und auch der Oberbürgermeister wird direkt vom Volk gewählt. Doch etwas ist anders als sonst – der Spitzenkandidat der SPD heißt nicht mehr Herbert Schmalstieg, das erste Mal seit 34 Jahren.

1972, als er erstmals den Ratsvorsitz in der niedersächsischen Landeshauptstadt übernahm, war der 29-Jährige der jüngste OB in Deutschland. Heute, mit 63, ist er der dienstälteste. Ein paar mehr Falten hat er bekommen, einige Haare sind ihm ausgefallen, andere sind grau geworden. Die Brille, in den Siebzigern noch mit Horngestell, ist heute dezent.

Es wird keine große Rede sein, keine symbolische Geste, die von Schmalstiegs langer Amtszeit haften bleibt. Zum guten Rhetoriker hat er sich nicht entwickelt, manche haben ihn deshalb unterschätzt. Doch es bleibt die Gewissheit, dass sich Hannover unter seiner Führung prächtig entwickelt hat, und bei den zum Nörgeln neigenden Hannoveranern wächst die Zufriedenheit mit ihrer Stadt. Die Messe und vor allem die Weltausstellung im Jahr 2000 haben einen großen Schub gebracht. Seit der Wiedervereinigung profitiert Hannover von seiner günstigen Lage zwischen Ruhrgebiet und Berlin.

Mehr als die Hälfte seiner Amtszeit, bis 1996, war Schmalstieg nur ehrenamtlicher OB, der Verwaltungschef hieß damals Oberstadtdirektor und war nicht oberster Repräsentant. Dieses Modell hätte Schmalstieg, der einst Öffentlichkeitsarbeiter bei der Sparkasse war, gern behalten. Doch als die Mehrheiten im Landtag andere waren, schwenkte er um und entschied sich, Spitzenmann unter den neuen Verhältnissen zu werden. Was blieb, war sein Anspruch an das Amt: zuerst Repräsentant, dann erst Manager – zuerst derjenige, der zu einem 100. Geburtstag kommt und Hände schüttelt, und dann erst der, der Zukunftsentwürfe für die Stadt diskutiert.

Provinziell indes war Schmalstieg nie. Neben seinem langjährigen Engagement beim Deutschen Städtetag war für ihn auch die Außenpolitik wichtig. Die Städtepartnerschaft mit Hiroshima hat er stets ernst genommen, und Ende 2005 durfte er als Vertreter der deutschen Städte sogar vor der UN in New York reden – ebenso wie sein japanischer Amtskollege aus Hiroshima. Die Friedenspolitik ist wohl das Einzige, was ihn noch einen „Linken“ in der SPD bleiben lässt. Ansonsten ist er durch und durch Kommunalpolitiker – und die sind meist konservative Knochen. Klaus Wallbaum

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