Meinung : „Das ist ein Traum, wenn…

Armin Lehmann

… man gleich im ersten Jahr als Trainer des FC Bayern das Double holt.“

Vielleicht ist es Einbildung, aber haben sich die Sommersprossen im Gesicht von Felix Magath nicht vermehrt? Ist ja sonnig und würde doch passen zur neuen Glückseligkeit des Fußball-Lehrers. Wer den Trainer des FC Bayern München dieser Tage anschaut, sieht einen entspannten Mann. Die Körperhaltung verrät das. Die Schultern balancieren jetzt viel waagerechter durch die Luft, der Kopf ist gehoben. Und der Magath kann ja lächeln!

Hat auch allen Grund dazu. Wer schafft das schon, zu einem Verein zu kommen, ach was, zum FC Bayern München, und dann auf Anhieb zwei Titel zu holen: Meisterschaft und DFB-Pokal. Nach der Ära Ottmar Hitzfeld. Das ist nicht selbstverständlich, das ist eine große Leistung. Wer war denn dieser Felix Magath schon?

Als sich der 51-Jährige im Februar 2004 in München vorstellte, hat er die Klubführung schwer beeindruckt. Mit einem recht logischen Ziel: Magath wollte zum FC Bayern, weil er Titel holen wollte. So hat er es gesagt, und deshalb haben sie ihn geholt. So einfach war das. Jetzt hat er zwei Titel, aber man weiß immer noch nicht, wer genau dieser Magath ist.

Er war mal ein kluger Spielmacher beim HSV, war Deutscher Meister und Nationalspieler, dann wurde er Trainer, und sie haben ihn „Schleifer“ und „Quälix“ getauft, wegen seines berüchtigten Trainings. Sein Charakter galt als verschroben, seine Methoden gelten als antiquiert. Bremen führte er aus dem Keller nach oben, dann ging es wieder bergab, und er ging von selbst, „weil Werder und ich nicht zusammen passten“. Die Eintracht aus Frankfurt rettete er vor dem Abstieg und musste dann gehen. Den VfB Stuttgart brachte er bis in die Champions League.

Magath will Titel, aber vor allem will er ein ganz großer Trainer werden. Einer wie Branko Zebec oder Ernst Happel. Deshalb musste es der FC Bayern sein. Es war ein Risiko, allerdings ein gut kalkuliertes. Im Kalkulieren, Abwägen ist Magath Meister. Er denkt kühl, vom Ende her, und handelt geplant. Ein Bayern-Spieler sagt: „Er denkt wie ein Schachspieler.“ Schach ist sein „zweitschönster Sport“.

Jetzt, nach den ersten Titeln, wird es einfacher für Magath. Er wird sich weiter öffnen und fängt schon damit an. Er sagt zum Beispiel: „Ich habe immer Angst“ oder „Ich habe Stress und spüre ihn“. Hitzfeld hätte solche Sätze nie öffentlich ausgesprochen, sie hätten ja etwas über das Innerste verraten können. Betrachtet man Magath also jenseits der Titel, dann ist er auf dem Weg zu seinem Ziel schon weit gekommen.

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