Meinung : „Das kann man nicht …

Deike Diening

… toppen.“

Am Anfang war der Headhunter, sein Auftrag kam von ganz oben. Gesucht wurde ein Mittelsmann zwischen der säkularen und der geistigen Welt, ein irdischer Wächter für eine Veranstaltung ohne Beispiel, den ersten Weltjugendtag in Deutschland. Das Gebot lautete: „Du sollst nicht mehr als 100 Millionen Euro ausgeben.“ Hermann-Josef Johanns dachte, so eine Herausforderung gibt es nicht alle Tage.

Johanns hat lange Jahre bei der Deutschen Krankenversicherung in Berlin gearbeitet, er hat mit seiner Frau vor Christos verpacktem Reichstag gepicknickt, er war Vorstand beim Gerling-Konzern in Köln. Dort galt er als jemand, der glaubte, mit weniger Druck bei seinen Angestellten mehr erreichen zu können. Das sahen seine Vorgesetzten nicht immer so.

Und ihn qualifizierten Eigenschaften für den Manager des Weltjugendtags, die er noch auf keiner Bewerbung hatte angeben müssen: Er ist Messdiener gewesen, er war auf einem katholischen Internat, er nennt sich „rheinisch-katholisch“, was bedeutet, dass er zwar regelmäßig, aber nicht übermäßig Zeit in der Kirche verbringt. Seine Tochter besuchte 1993 begeistert den Weltjugendtag in Denver.

Während seiner Vertragsverhandlungen 2002 ist er zum Weltjugendtag nach Toronto gefahren, für’s „Feeling“. Dort wurde er als VIP herumgeführt, seine Frau indes meldete er als normale Pilgerin an. Abends verglichen beide ihre Tagebücher. Johanns kam zu dem Schluss, dass er das kann.

Die Herausforderungen waren dennoch neu für ihn: Johanns hatte noch nie zuvor selbst ein Telefon anmelden müssen. Er musste mit schlauen Bauern über ihre Felder verhandeln, auf denen bis zu eine Million Pilger mit dem Papst beten werden. Immer wieder traf er dabei auf Leute, „die versuchen, sich ein Denkmal zu bauen“. Und wenn die Rheinbrücken und die A4 gesperrt werden, zählt er auf die rheinische Gelassenheit der Kölner.

Es liegt nichts Frommes in seinem Beruf. Dieser Job ist eine dieser Gelegenheiten, die sich nur einmal im Leben bieten. Johanns weiß, „dass man das nicht mehr toppen kann“. Er ist jetzt 55 Jahre alt, vielleicht geht er danach auch einfach in den Ruhestand. „Alle meine Kontakte waren früher aus der Assekuranz“, sagt er. Vermutlich ist sein neuer Draht zum Himmel langfristig viel wertvoller.

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