Das Leben ist kein Spiel : In Zukunft wird es schwer für Boris Becker

Boris Becker veröffentlicht seine zweite Autobiographie und beklagt sich darüber, dass seine Rolle in Deutschland nicht gewürdigt wird. Vielleicht liegt das daran, dass die im Ausland nicht alles mitbekommen?

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Boris Becker und sein zweites Buch "Das Leben ist kein Spiel".
Boris Becker und sein zweites Buch "Das Leben ist kein Spiel".Foto: dpa

Eine launige Kolumne über Boris Becker zu schreiben – na, das ist ja ungefähr so originell, wie sich über das Englisch der Zugführerdurchsagen in der Bahn lustig zu machen. Aber es gibt halt Wochen im Leben von Kolumnisten, da kann Originalität keine Rolle spielen.

Die vergangene Woche war so eine. Boris Becker ließ sich ein Buch schreiben, wieder mal, „Das Leben ist kein Spiel“ heißt es, es gab Vorbadrucke, Fernsehberichte, einen mehr als seltsamen Wortwechsel im Kurznachrichtendienst Twitter zwischen Becker und Oliver Pocher. Aber es gab vor allem viel Kopfschütteln darüber, wie man allen Ernstes all das, was Becker in seinem Leben so erlebt hat, so aufschreiben kann, wie das in diesem Buch geschehen ist – übrigens mit nachdrücklicher Zustimmung von Boris Becker, der sich ja seit Jahren nicht zu schade ist dafür, Lothar Matthäus den Rang als peinlichster Ex-Sportler Deutschlands streitig zu machen. Die beiden sind sich übrigens ja auch einig bei folgender Sichtweise: dass nämlich vor allem in Deutschland ihre Rolle nicht gewürdigt werden würde – im Ausland dagegen schon. Aber das liegt auch vielleicht daran, dass die im Ausland nicht alles mitbekommen.

Boris Becker hatte im Ausland nie den Stellenwert wie in Deutschland

Im Fall von Boris Becker kommt allerdings auch noch hinzu, dass er im Ausland niemals diesen Stellenwert hatte, den er in Deutschland gehabt hat – so viele Menschen, die wissen, wo sie am 11. September 2001 waren, wissen auch, wo sie waren, als Becker 1985 Wimbledon gewonnen hat. Viele erinnern sich auch noch an Hartford, David Cup, 1987, Becker gegen McEnroe, das Spiel dauerte sechseinhalb Stunden, Becker gewann, danach stand er auf einer Stufe mit Schmeling, mit Fritz Walter – stellvertretend für so viele Jungs, die mit dem Sport angefangen haben um etwas Großes zu werden, ließ er diesen Traum wahr werden. Und nicht nur das. Becker damals war ja auch irgendwie cool. In einem Interview mit dem „stern“ sympathisierte er mit den Bewohnern der Hamburger Hafenstraße, er hatte eine lässige Freundin – und seine Tennisspiele glichen Minidramen, die erst 1991 zur Erlösung führten, als er tatsächlich die Nummer eins der Welt wurde. Doch danach fiel Boris Becker und er erinnert heute an diesen Typen aus dem Witz, der sich vom Hochhaus stürzt und dabei zu sich selber sagt: „Bis hierhin läuft es noch ganz gut, bis hierhin läuft es noch ganz gut.“

Boris Becker verkündete in einem peinlichen Fernsehmoment seine Heiratspläne

Boris Becker hat seinen eigenen Aufprall anscheinend nicht mitbekommen, rückblickend kann man gar nicht mehr sagen, wann der eigentlich genau passiert ist. Als er verzweifelt versuchte, aus seiner damaligen Frau Barbara eine Sängerin zu machen? Als er anfing so zu tun, als sei er ein Pokerspieler? Als er sich bei Twitter anmeldete und seitdem dummes Zeug in die Welt hinaus tippt? Vergangene Woche erschien ein Foto von Steffi Graf. Sie war auf irgendeiner Gala in New York, das kommt selten vor, man weiß ja praktisch gar nichts mehr von Steffi Graf. Auf dem Foto wirkte sich nicht nur schön, sondern vor allem auch souverän, mit sich im Reinen, angekommen. Sie trat im selben Jahr ab wie Boris Becker.

Vor vier Jahren saß Boris Becker mit seiner heutigen Frau Lilly auf der Couch von „Wetten, dass...?“ – und zwar nur aus einem Grund: um der Welt zu verkünden, dass er und Lilly heiraten werden. Ein dunkler Fernsehmoment, peinlich, würdelos. À propos: Am Samstag startet die neue Staffel von „Wetten, dass...?“, vieles soll sich ändern, Markus Lanz, so hieß es, habe jetzt einen Gagschreiber. Und man wolle wieder mehr internationale Stars einladen, Sylvester Stallone zum Beispiel, Harrison Ford. Es könnte sein, dass es für Boris Becker in Zukunft sehr, sehr schwer wird.

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