Meinung : Das Leben ist kurz, die Reue ist lang

Berichterstattung zu Minister Niebel und dem unverzollten Teppich

Es gab schon einmal eine Sache mit einem Minister und einem Teppich. Werner Lansburgh berichtet davon in seinem Buch „Dear Doosie“, und zwar – gekürzt – wie folgt: Im britischen Foreign Office gab es einen aus altem Adel stammenden, aber mit bescheidenen geistigen Gaben ausgestatteten und deshalb in einer Stellung mittlerer Bedeutung beschäftigten Mann, Sir Archibald. Ob ein Bediensteter in seinem Amtszimmer einen Teppich beanspruchen konnte, hing von seinem Rang ab. Subalterner Posten: Kein Teppich, halbsubalterner Posten: ein Spannteppich (Massenware), mittlerer Posten: ein Spannteppich besserer Qualität usw. bis zum Minister, der Anspruch auf einen Orientteppich hatte. Eines Tages schaffte Sir Archibald aus seinem Schloss einen echten Orientteppich in sein Büro. Das Raunen begann in den Fluren. Nach einer Weile ließ es sich nicht mehr ignorieren. Im Foreign Office wurde es unüblich lebhaft. Was war zu tun? Man konnte doch einem Angehörigen der Hocharistokratie nicht einfach den Teppich unter den Füßen wegziehen. Nach vier Kabinettsitzungen – die Suezkrise hatte seinerzeit zwei erfordert – wählte man die natürlichste Lösung der Welt: der Teppich blieb liegen und Sir Archibald wurde zum Landwirtschaftsminister ernannt.

Harald Reicke, Berlin-Charlottenburg

Minister Niebel möchte qua Amt die Welt verbessern, erscheint zur Lösung privater Angelegenheiten jedoch unfähig. Jeder Tourist kümmert sich bei einem im Orient gekauften Teppich darum, ihn entweder als Übergepäck im selben Linienflug oder separat als Luftfracht einschließlich Zollabfertigung aufzugeben und dafür vor Ort zu bezahlen. Das bekommt der Minister nicht hin. Der Transport stattdessen durch den Bundesnachrichtendienst (BND) mag gefällig gewesen sein, erfüllt aber womöglich die Straftatbestände der Vorteilsannahme/Vorteilsgewährung (§§ 331, 333 StGB); sofern der BND jenen außerdienstlichen Transport etwa nicht in vergleichbarer Höhe wie Luftfrachtspediteure dem Minister in Rechnung gestellt haben sollte.

Volker Schudak, Berlin-Lichterfelde

Ein guter Teppich, und ich gehe davon aus, dass Dirk Niebel nur etwas Hochwertiges gekauft hat, hat bei 9 m² vier Millionen Knoten. 5 Sekunden für einen Knoten sind sehr schnell. Das macht nur für das Knüpfen 8000 Stunden, Pausen eingerechnet. Das bedeutet 4 Jahre knüpfen. Diese Arbeit wird überall im Orient von jungen Frauen ausgeführt, die flinke Finger und einen beweglichen Rücken haben. Es ist nämlich sehr anstrengend, auf einer niedrigen Bank zu sitzen und bei schlechter Beleuchtung winzige Knoten zu schlagen. Dazu kommen noch die Vor- und Nachbereitungen der Wolle und des fertigen Teppichs. Insgesamt mindestens 10 000 Stunden Arbeit.

1400 Euro hat der Teppich gekostet. Selbst wenn davon 50 Prozent bei den Färberinnen, Spinnerinnen und Knüpferinnen verbleibt, ist das ein Monatsverdienst von 14 Euro. Aber vielleicht war der Teppich ja einfacher und gröber und es bleibt ein Lohn von 30 Euro im Monat. Diese Zusammenhänge zu kennen ist eigentlich der Beruf des Ministers für Entwicklungszusammenarbeit.

Korruption ist die andere Seite des Teppichkaufes. Korruption hat nicht nur Afghanistan an den Abgrund gebracht. Aufgabe des Ministeriums ist es, gute Arbeitsbedingungen insbesondere für Mädchen und Frauen zu fördern und gute Regierungsführung zu unterstützen. Dafür tritt die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit an.

Peter Schrage-Aden, Berlin-Schöneberg

Gestatten sie mir eine Anmerkung zu den guten Artikeln: Eine steuerliche Selbstanzeige hat nur dann strafbefreiende Wirkung, wenn die verkürzten Steuern (zum Beispiel Zoll) nachentrichtet worden sind und die Tat noch nicht entdeckt war (§ 21 Abgabenordnung). Ob in diesem Fall die Tat bereits entdeckt war, entscheidet die Strafsachenstelle des örtlichen zuständigen Hauptzollamts, im Streitfalle die Strafgerichte/StA. Das Bundesfinanzministerium ist jedoch auf keinen Fall zuständig, es kann höchstens seine unmaßgebliche Meinung äußern.

Ehrhard Wall, Berlin-Tiergarten

Offensichtlich hat Minister Niebel auch noch die Luftfracht gespart. Ich kann mir nicht denken, dass er aus freien Stücken dem BND Kostenbeteiligung angeboten hat. Mit Dank dafür, wie Herr Martenstein die Sache wieder einmal angepackt hat.

Ihr Fritz Bamm, Berlin-Steglitz

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