Meinung : Das letzte Kind im Wald

„Ein weites Feld“ vom 6. April

Sobald die Temperaturen wieder steigen, werden am östlichen Rand wie zu jedem Saisonbeginn wieder 700 urbane Gärtner und/oder Farmer unter der bewährten Ägide vom Allmende Kontor auf 5000 Quadratmetern graben, säen, pflanzen und später auch ernten – kurz alle jene Tätigkeiten ausüben, die sie zu Hause nicht tun können. Doch das reicht bei Weitem nicht für alle Berliner. Was geschieht, wenn die Natur in unserem Alltag, insbesondere im Alltag von Kindern kaum noch erfahren wird? Verlieren die Kinder dann ihre Verwandlungsfähigkeit? Büßen sie ihre Kreativität ein? Werden sie um ihre Lebensfreude betrogen? Sie funktionieren womöglich, aber sie verkümmern. „Geben wir daher unseren Kindern die Natur zurück! Kinder brauchen Naturerfahrungen, sonst werden sie aggressiv, hyperaktiv und übergewichtig“ (R. Louv: „Das letzte Kind im Wald“). Wie können Kinder, wie können Erwachsene, wie können wir alle den zunehmenden Verlust von Naturerfahrung kompensieren? Schaffen wir unseren Kindern wieder Spielräume, in denen sie Natur erfahren können, „Naturerfahrungsräume“, am sinnvollsten gleich in Verbindung mit einer „Arche“-Fläche, einer großen und farbenprächtigen Blumenwiese und mit einem Umweltzentrum in seiner Mitte: Ein „Lehr-, Lern- und Spielprojekt für Naturerfahrung“ auf einem wohnungsnahen Gelände. Das Ganze als Gegenpol zum geplanten Neubau der Zentralen Landesbibliothek auf gleicher Fläche, aber nur für ein Hundertstel der Kosten. Das „weite Feld“ sollte auch dafür Platz bieten. Wenn wir in unserem Alltag eine bedeutsame Verbindung zur Natur haben und bewahren wollen, dann brauchen wir endlich eine neue und innovative Stadtplanung in Berlin!

Hartmut Solmsdorf, Urbane Projekte,

Berlin-Charlottenburg

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