Meinung : Das Spiel ist aus

Ottmar Hitzfeld will nicht DFB-Trainer werden – jetzt kann nur ein Holländer helfen

Armin Lehmann

Ein Eigentor kann schon mal vorkommen, eine Niederlage auch. Im Fußball ist es dann wichtig, dass man wenigstens sagen kann, wir haben alles gegeben, haben uns nichts vorzuwerfen. Den bescheiden begabten deutschen Kickern konnte man bei ihrem Ausscheiden in Portugal nicht allzu böse sein. Besser ging’s wohl nicht.

Dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) samt seinem Präsidenten Gerhard Mayer-Vorfelder muss man allerdings vorwerfen, die größte Krise im deutschen Fußball seit Christoph Daums Kokainaffäre ausgelöst zu haben. Der größte, mächtigste und reichste Fußball-Verband der Welt steht nach der überraschenden Absage von Ottmar Hitzfeld ohne Trainer da – zwei Jahre vor der FußballWM im eigenen Land. Mayer-Vorfelder hat ein grausames Eigentor geschossen, weil er unbedingt alles alleine machen wollte. Erst konnte oder wollte er nicht verhindern, dass Teamchef Rudi Völler zurücktritt, dann machte er die Suche nach einem Nachfolger „zur Chefsache“ und scheiterte.

Hitzfeld sagt, private Gründe haben ihn zur Absage bewogen, aber das dürfte nur die halbe Wahrheit sein. Mayer-Vorfelder hat Hitzfeld auch vorgeführt, indem er den Namen Christoph Daum nennen ließ. Damit raubte Mayer-Vorfelder Hitzfeld die uneingeschränkte Solidarität, und selbst, wenn es nur ein taktischer Vorschlag war, um zu zeigen, der Präsident entscheidet hier, beschädigte und beleidigte er den Kandidaten Hitzfeld zu sehr.

Schlimmer noch als Mayer-Vorfelders mangelndes Gespür für die Situation ist seine für den gesamten Verband typische Selbstherrlichkeit, nach dem Motto: Wir können alles! Leider ist dem nicht so. Wie sich gestern herausstellte, hatte niemand im DFB auch nur die kleinste Idee, was nun zu tun sei. Das lässt darauf schließen, dass niemand einen Plan B vorbereitet hatte. Aus dem Inneren des DFB war gestern vor allem ein Satz zu hören: „Das ist die Stunde null.“

So dramatisch kann man die Sache sehen, vor allem, weil der deutsche Fußball nicht gerade zu mutigen Experimenten neigt. Diesmal aber wird es nicht anders gehen, und das ist doch mal eine gute Nachricht! Ottmar Hitzfeld war der beste deutsche Trainer, den man hätte bekommen können. Wenn der DFB nun ehrlich ist, wird er feststellen, dass kein anderer deutscher Trainer in Frage kommt: Matthäus hat kein seriöses Gewicht, Rehhagel ist ein Selbstdarsteller und zu alt für den Neuanfang. Daum hat sich mit seiner Kokainaffäre und den öffentlichen Lügen für alle Zeiten disqualifiziert. Warum also nicht mit einem Tabu brechen und einen Trainer wie den Holländer Guus Hiddink aus dem Ausland holen? Es gibt Beispiele, wie das funktionieren kann. Der Brasilianer Scolari, anfangs angefeindet, hat Portugal ins EM-Finale geführt. Und der Schwede Eriksson ist als Nationaltrainer Englands längst unumstritten.

Den Deutschen wird oft nachgesagt, dass sie von anderen nicht lernen wollen, und wenn, dann nur zähneknirschend. Der DFB hat das gestern eindrucksvoll bestätigt, als der Vizepräsident Nelle betonte, ein ausländischer Trainer sei nicht durchsetzbar. Bei wem eigentlich nicht? Es wird Zeit, den deutschen Fußball durchzulüften. 2006 naht.

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