Das System Merkel : Bis zur Reife

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Langsam wird’s langweilig, dieser Dauerzoff in der und um die Regierung. Union streitet über Führungsstil der Kanzlerin! Merkel soll Machtwort sprechen! Gesundheitspolitik spaltet schwarz-gelbe Koalition! Dabei sind es meist die üblichen Verdächtigen, die da ins Horn blasen. Ein paar Namen? CSU-Gesundheitsminister Markus Söder, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, Stefan Mappus, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Josef Schlarmann, Chef der Mittelstandsvereinigung der Union, Jörg-Uwe Hahn, FDP-Chef Hessen, Alexander Dobrindt, geschäftsführender Generalsekretär der CSU. Die Liste lässt sich verlängern. Wann immer sich einer von denen zu Wort meldet, soll es kräftig rumpeln. Und in der Tat: Das Dauergetöse an den Rändern ist unüberhörbar. Aber der Nukleus der Macht, das Kabinett, arbeitet intensiv und vom Krach meist ebenso unbeeindruckt wie die Fußballer in Südafrika von den Vuvuzelas. Im Kabinett werden die koalitionsbedingten Differenzen recht intern ausgetragen. Von Krise kaum eine Spur.

Parteien lieben Geschlossenheit, vertragen aber weniger denn je einen zentralistischen Führungsstil. Ihre Mitglieder hängen an ideologischer Klarheit und wissen doch, dass diese in Umbruchs- und doppelter Krisenzeit (Weltwirtschaft plus Europa) nur für den Preis eines weltfernen Dogmatismus zu haben ist. Das hat zuletzt die FDP schmerzvoll erfahren. Und Angela Merkel ist nun mal, wie sie ist. Sie arbeitet hart, kennt sich bestens aus, zeigt aber weder Charisma noch Leidenschaft. Damit werden Freund und Feind leben müssen. Wer von der Kanzlerin Haltungen verlangt, die ihr wesensfremd sind, will sie oft nur bloßstellen. Eine Volkspartei zu bleiben, ohne von vorn und mit dem Herzen geführt zu werden: Diese Kunst wird die CDU folglich lernen müssen. Denn das System Merkel verlangt von seinen Mitspielern ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Selbstvertrauen. Ein anderes Wort dafür ist Reife.

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