Meinung : „Das Volk der Fußballer …

Helmut Schümann

… lügt nicht.“

Doch. Tut es wohl. Man kann Joseph Blatters mit gewohntem Pathos vorgetragenen Satz getrost als Lüge bezeichnen. Der heute beginnende Confed-Cup ist eben keine „großartige Sache“, wie Blatter es formuliert. Er ist den beteiligten Mannschaften eine Last, ohne sportlichen Wert – aber Freude vorgaukeln müssen sie doch. Denn Blatter, Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa, hatte in diese Veranstaltung ein wenig Erpressungspotenzial einbaut. Wer die nächste Weltmeisterschaft ausrichten möchte, hat Teilnahmepflicht. Deswegen ist Brasilien jetzt hier und musste Deutschland vor fünf Jahren in die USA.

Die Unwahrheit und die Finte aber sind Blatters Welt. Seit sich der 69-Jährige im Geschäft mit dem Fußball umtreibt, wird er begleitet von Vorwürfen, er sei korrupt, er intrigiere, er führe seine Amtsgeschäfte ohne jegliche Transparenz, er habe ein Demokratieverständnis, das dem Namen Hohn spricht. Schon seine Inthronisation zum Fußballchef im Jahr 1998 fand unter belegbar dubiosen Umständen statt. Vier Jahre zuvor hatte Blatter gegen seinen Vorgänger Joao Havelange geputscht. Vergeblich. 1998 hatte er sich besser vorbereitet. Denn eigentlich war er chancenlos. In der Nacht zuvor wechselten, so Zeugen, etliche Umschläge den Besitzer. Am anderen Tag stimmten vornehmlich die Delegierten der afrikanischen Landesverbände für Blatter. Vor vier Jahren in Seoul, als seine Wiederwahl, respektive seine Abwahl anstand, war es ähnlich. Da entzog er Kritikern das Mikrophon und sagte noch unentschlossenen Delegierten Posten und Pfründe zu.

Der Vater einer Tochter ist mit gehörigem Machtinstinkt ausgestattet. Was wahrscheinlich notwendig ist in einer Organisation, der mehr Nationen (204) angehören als den UN (190) und die jährlich etwa 850 Millionen Euro umsetzt. Ansonsten gibt er sich doch so gerne als jovialer Freund der Menschheit. Seinem Namen hat er einst einfach ein Mittelinitial verpasst, ein S., was leutselig für „Sepp“ steht. Und als Redenschwinger gehen ihm mitunter die überbordenden Gefühle durch. Er wolle den Jugendfußball fördern, „auf dass wir vielleicht bessere Menschen, auch bessere Frauen, nicht nur Männer, schaffen“. Die Wahrheit sieht oft anders aus. Der Confed-Cup, diese so extrem beliebte Veranstaltung, muss künftig auf die kontinentalen Meister aus Südamerika und Europa verzichten. Die Verbände haben durchgesetzt, dass sie künftig keine Teilnahmepflicht mehr haben.

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