Meinung : Das Volk verabschiedet die Volksaktie Telekom ist ein Risikopapier, nur wusste das keiner

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Von Corinna Visser

Für Telekomaktionäre ist dieser Dienstag der Tag der Abrechnung: Sie werden bei der Hauptversammlung in Köln den Kurssturz der T-Aktie um knapp 90 Prozent beklagen. Sie werden kritisieren, dass ihnen die Bundesregierung eine Volksaktie versprochen hatte, und dass Telekom-Chef Ron Sommer ein Risikopapier daraus gemacht hat. Und sie werden sich ärgern, dass das Telekom-Management trotz des Desasters üppig steigende Gehälter einstecken kann.

Dies alles werden sie dem Management und der Bundesregierung vorwerfen. Und sie haben Recht. Die Telekom ist keine Volksaktie. Sie ist auch nie eine gewesen. Denn im Unterschied beispielsweise zur Privatisierung von Volkswagen oder der Preussag in den 50er und 60er Jahren hatte der Staat als Telekomeigentümer diesmal ein massives Interesse an einem hohen Aktienkurs: Statt der Förderung der Aktienkultur in Deutschland hatte die Regierung bei den drei Börsengängen der T-Aktie vor allem die Haushaltskonsolidierung im Sinn.

Die ersten Aktien gab es für umgerechnet 14,57 Euro, die zweite Tranche wurde mit knapp 40 Euro in den Handel gebracht, bei der dritten Tranche lag der Preis sogar bei 66,50 Euro – obwohl das Papier damals schon in einem massiven Abwärtstrend lag. Die Kleinaktionäre haben darauf gebaut, dass der Staat nicht einfach seine Einnahmen maximiert – und sie wurden enttäuscht. Inzwischen hat sich der Markt – und auch die Telekom unter der energischen Führung von Ron Sommer – längst in eine ganz andere Richtung entwickelt. Aus dem ehemaligen Monopolunternehmen ist ein Konzern entstanden, der sich im globalen Wettbewerb behaupten will, der massiv ins Internet, ins Mobilfunkgeschäft und in ausländische Märkte investiert hat. Investitionen, die die Zukunft des Unternehmens sichern sollen, wie Ron Sommer betont, aber die eben auch ein Risiko darstellen.

So wird die Telekom-Hauptversammlung am heutigen Dienstag wohl zu einem Stück Geschichtsbewältigung: Die Kleinaktionäre müssen sich endgültig von der Naivität verabschieden, dass der Staat nur Wachstumspapiere verkaufen darf. Sie werden es mittelfristig weiter mit einem stark schwankenden Papier zu tun haben. Und es gibt eben keine Garantie für einen immerwährend steigenden Aktienkurs. Ron Sommer andererseits sollte sich gegenüber den kleinen Aktionären von der Arroganz verabschieden, mit der er bisher darauf hingewiesen hat, dass Menschen, die Sicherheit wollen, im Telekommunikationsmarkt nichts verloren haben. Und die Bundesregierung? Sie sollte aufhören zu versichern, man habe mit der Telekom-Aktie die Aktienkultur in Deutschland fördern wollen. Schönreden hilft nicht – weder den Aktionären noch dem Kurs der Telekom.

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