Meinung : Das Wechselvirus

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Nun ist sie also bei uns angekommen, die Vogelgrippe. Erstaunlich ist das nicht, wenn man den Wanderweg des Virus aus Asien über Russland, Türkei, Griechenland und Osteuropa betrachtet. Höchstens der Zeitpunkt ist ungewöhnlich, dachte man doch bisher an den Vogelzug als Auslöser. Nun handelt es sich bei den infizierten Höckerschwänen gar nicht um Zugvögel. Vielleicht hatten die Schwäne das Virus lange in sich, bevor die Krankheit ausbrach. Das widerspricht dem bisher bekannten Muster, wonach Krankheitssymptome schon bald nach der Infektion auftreten, und das zeigt die Tücke des Objekts. Das Virus ändert sich ständig und schnell. Vielleicht schlüpft es auch in eine Gestalt, in der es die Übertragung von Mensch zu Mensch schafft. Das macht Angst, auch wenn der Verstand sagt, dass es schon nicht so schlimm kommen wird. Bisher sind keine Übertragungen zwischen Tieren außerhalb der Vogelwelt beobachtet worden, obwohl beispielsweise Katzen oder Hunde oft Kontakt mit infiziertem Geflügel haben. Beruhigend ist auch eine Botschaft, die uns die toten Schwäne auf Rügen hinterlassen haben. Es war ihnen anscheinend möglich, mit dem Vogelgrippevirus längere Zeit fertig zu werden. Vielleicht gibt es auch eine abgeschwächte Form des Erregers. Erst als die Abwehrkräfte durch Hunger, Kälte, Alter oder Krankheit nachließen, haben die Schwäne den Kampf verloren. Daraus müssen alle Experten, die am Schutz der Menschen vor der Vogelgrippe arbeiten, ihre Lehren ziehen. Das Virus ist zu besiegen, die Schwachen und Anfälligen müssen geschützt werden. Maßnahmen mit Augenmaß sind gefragt, Katastrophenszenarien fehl am Platze. Die Politik scheint auf dem richtigen Weg zu sein. pja

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