David Letterman : "Feiglinge, Halsabschneider, Wiesel"

Der Showmaster David Letterman hat mit seinen streikenden Gag-Autoren einen neuen Vertrag ausgehandelt. Da er ab sofort wieder auf Sendung gehen kann, teilt er hämisch gegen die Konkurrenz aus.

Matthias B. Krause

Wenn David Letterman, 60, richtig loslegt, ist niemand vor ihm sicher. Nicht seine Gäste, nicht seine Freunde, nicht seine Chefs. Die – und alle übrigen Studiobosse in Hollywood – bezeichnete der amerikanische Nacht-Talker kürzlich als „Feiglinge, Halsabschneider, Wiesel“. Letzteres Tier wird in den USA übrigens als ein besonders heimtückisch angesehen.

Der Showmaster kann es sich leisten, Partei zu ergreifen für die seit dem 5. November streikenden Autoren und gegen die Film- und Fernsehkonzerne. Er produziert seine Sendung mit seiner Produktionsgesellschaft „World Wide Pants“ selbst und ist finanziell ohnehin längst unabhängig. 40 Millionen pro Jahr, so berichtete „Forbes“, soll ihm der Vertrag einbringen, den er für seine „Late Show“ mit CBS bis 2010 verlängerte.

Doch Letterman hat auch tatsächlich ein Herz für die Leute, die ihm die Gags schreiben, schließlich ging er einst nach Los Angeles, um einer von ihnen zu werden. Es kam anders und nun ist er eine der prominentesten TV-Persönlichkeiten in den USA, in der Beliebtheitsskala nur knapp geschlagen von Oprah Winfrey. Auch die Gewerkschaften müssen ihn mögen, jedenfalls einigte sich die „Writers Guild of America“ mit ihm auf einen neuen Vertrag, der Signalwirkung für die gesamte Industrie haben könnte. Letterman darf deshalb ab dem heutigen Mittwoch wieder mit dem von seinem 20-köpfigen Team ausgeklügelten Monolog, den Top- Ten-Listen und all den anderen üblichen Späßen auf Sendung gehen.

Erster Stargast wird Schauspieler Robin Williams sein, auch das nur möglich, weil die mit den Autoren solidarische „Screen Actors Guild“ grünes Licht gab. Alle anderen Nacht-Talker müssen dagegen ausharren, bis sich ihre Sender mit den Streikenden geeinigt haben. Statt den heißesten Stars aus Hollywood kann etwa Lettermans ärgster Konkurrent Jay Leno nur dröge Politiker präsentieren. Mike Huckabee ist als Erster dran, der Gitarre spielende Baptistenprediger, der die republikanische Vorwahl in Iowa gewinnen will. Letterman würde Leno nur zu gerne dauerhaft überrunden. Der schnappte ihm damals nämlich die Nachfolge des hochverehrten Johnny Carson weg – und seit 1995 liegen Lenos Quoten, der verglichen mit dem sarkastischen Letterman wie ein Weichspüler wirkt, konstant höher. Nun ist die Zeit der Rache gekommen. Einer wie Letterman wird sie sich kaum entgehen lassen, ohne wieder und wieder Salz in die Wunden zu streuen.Matthias B. Krause

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