David Plouffe : "Vielen Dank für Ihre Unterstützung"

Wahlstratege Plouffe organisierte die Kampagne für Barack Obama. Er selbst blieb der Öffentlichkeit lieber fern.

Fabian Leber

Barack Obama dankte seiner Frau, seinen Schwestern, und dann David Plouffe, „meinen Kampagnenmanager, den unbesungenen Helden dieser Kampagne. Er hat den wahrscheinlich besten Wahlkampf geführt, den es in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika bisher gab“.

Selbst viele Amerikaner hatten den Namen bis dahin noch nie gehört. Dabei hatte Obama Plouffe schon einmal sehr prominent erwähnt – in seiner Dankesrede nach dem Sieg bei den Vorwahlen im Juni. Im Unterschied zu anderen politischen Beratern tritt der als scheu beschriebene Plouffe aber öffentlich kaum in Erscheinung. In den vergangenen eineinhalb Jahren saß er lieber in Obamas Hauptquartier in Chicago und studierte Landkarten der USA.

Plouffe ist mit 40 Jahren relativ jung, trotzdem gilt er nicht erst seit dem Sieg als Kapazität in der amerikanischen Politberatung. Der Studienabbrecher war erst selbstständig und stieß dann Ende der 90er Jahre zu jener Beratung, die sich heute „AKP&D Message and Media“ nennt. Das P steht für Plouffe, das A für (David) Axelrod, den Chefstrategen des Walhkampfs von Obama. In seiner Dankesrede erwähnte Obama Plouffe vor Axelrod – und vielleicht hat er ihm tatsächlich mehr zu verdanken. „Er hat dieses Land und den politischen Prozess auf eine sehr, sehr scharfsinnige Art und Weise verstanden“, sagt Axelrod anerkennend über seinen Kompagnon.

Als Barack Obama Anfang 2007 seine Präsidentschaftskandidatur bekannt gab, da hatten er und sein Team keinen Schimmer davon, wie ein nationaler Wahlkampf geplant werden müsste – ganz im Gegensatz zur Konkurrentin Hillary Clinton, die auf die berühmte „Clinton Machine“ zurückgreifen konnte. Plouffe kam da gerade richtig: Seit den 90er Jahren hatte er Demokraten auf den verschiedensten Ebenen bei Wahlkämpfen beraten – und meistens hatten diese Kandidaten verloren. Plouffe begann, das komplizierte, teilweise mit einer starken Eigendynamik versehene Vorwahlsystem der USA zu studieren. Später entwickelte er daraus einen Plan, wie Obama sich die demokratische Nominierung sichern könnte.

Plouffe war es, der die Bedeutung des Internets für den Wahlkampf erkannte. Von ihm kam die Idee, die eigenen Anhänger ständig per E-Mail und SMS auf dem Laufenden zu halten und damit den Eindruck zu schaffen, als seien Millionen Amerikaner unmittelbarer Bestandteil der Obama-Kampagne. Erst jetzt, nachdem Obama Plouffes Namen so prominent erwähnte, fällt auf, dass fast alle Mails des Obama-Teams mit immer demselben Satz endeten: „Vielen Dank für Ihre Unterstützung und ihren Einsatz – David.“

Gleichzeitig kalkulierte Plouffe akribisch, in welchen Staaten Obama Stimmen gegen Hillary Clinton gewinnen müsste. Selbst für einzelne der über 3000 Countys entwarf er Mikro-Strategien, er studierte historische Wahlergebnisse, ließ die Sozialstruktur in einzelnen Stadtteilen berechnen und versuchte Orte zu finden, an denen die neue Obama-Koalition die Macht des Establishments brechen könnte. Im Obama-Hauptquartier gab es zudem ein gesondertes Team, das sich um die Strategie für die Zeit nach dem „Super Tuesday“ im Februar kümmern sollte, dem Tag, an dem eigentlich die Entscheidung zwischen Clinton und Obama fallen sollte. Das Rennen ging überraschenderweise weiter. Clinton war darauf nicht vorbereitet, die von David Plouffe gesteuerte „Obama Machine“ lief dagegen wie geschmiert.Fabian Leber

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